Der Streit um die Lugner-Villa geht weiter – und wird immer emotionaler. Am Freitag wurde vor dem Landesgericht für Zivilrechtssachen in Wien weiterverhandelt. Im Zentrum standen erneut die Vorwürfe rund um die Pflege von Richard Lugner (†91).
Gleich zu Beginn ging es auch um einen möglichen Vergleich. Das neue Millionen-Angebot der Lugner & Söhne Privatstiftung liegt weiterhin auf dem Tisch. Eine Einigung gab es am Freitag allerdings noch nicht. Simones Anwalt Florian Höllwarth erklärte, man müsse sich über das Angebot noch beraten.
Der Anwalt der Stiftung, Markus Tschank, machte hingegen klar: "Das Angebot liegt weiter am Tisch, ist aber befristet." Gleichzeitig erneuerte er die Vorwürfe gegen Simone. Wörtlich sprach er davon, dass Simone Lugner ihren "Ehepflichten und der Pflege von Richard Lugner" nicht nachgekommen sei.
Danach ging es mit den Zeugenaussagen weiter. Eine Mitarbeiterin aus der Lugner City schilderte eine Begegnung mit Richard Lugner. Sie habe ihn bei einer Besprechung gesehen. Lugner sei mit Krücken ins Büro gekommen, habe sich aber selbstständig bewegt. Ansonsten habe er auf sie einen normalen Eindruck gemacht.
Auch Simone Lugner kam in der Aussage zur Sprache. Richard Lugner habe gewollt, dass sie sich um Aufgaben rund um Mahnungen kümmert. Simone habe dies jedoch abgelehnt – mit dem Argument: "Mahnungen sind keine Chefsache."
Simone stellte vor Gericht aber klar: Bei der Besprechung sei es darum gegangen, welche Kunden gemahnt werden sollten und welche nicht. Richard Lugner sei dabei teilweise sehr kulant gewesen. Die Entscheidung habe letztlich nur er als Chef treffen können. Auf Grundlage einer Liste seien anschließend die Mahnungen verschickt worden. Diese habe der Bauherr teilweise selbst verfasst. Laut Simone sei das aber Aufgabe eines Büros, etwa der Buchhaltung; deshalb habe sie diese Tätigkeit abgelehnt.
Besonders brisant war die Aussage des zweiten Zeugen. Der Mann arbeitet in einer Privatklinik als Fahrer und Pfleger und schilderte seine regelmäßigen Fahrten mit Richard Lugner. Im Juni 2024 habe er erstmals den Auftrag bekommen, Lugner abzuholen. Er sei dann fast täglich im Einsatz gewesen und habe den Baumeister nach Behandlungen wieder nach Hause gebracht. Bis zu Lugners Tod blieb er im Einsatz.
Simone sei bei einer dieser Fahrten einmal dabei gewesen, ansonsten sei stets eine Pflegerin an Lugners Seite gewesen. Der Zeuge sagte, er sei von Lugners Tod überrascht gewesen. Einen drastischen Einbruch seines Gesundheitszustands habe er nicht wahrgenommen. Es habe zwar immer wieder ein Auf und Ab gegeben – "zwei gute Tage, dann wieder schwach". In der letzten Woche vor seinem Tod habe Lugner auf ihn sogar einen guten Eindruck gemacht. Gleichzeitig machte der Zeuge klar: Richard Lugner sei "ohne Unterstützung und Pflege nicht zurechtgekommen".
Im Zentrum des Streits steht Simones Wohnrecht in der Villa in Wien-Döbling. Die Stiftung, in der Wegbegleiter und Vertraute des verstorbenen Baumeisters das Sagen haben, klagt die Witwe. Sie vertritt die Ansicht, Simone habe ihr Wohnrecht verwirkt, weil sie Richard Lugner nicht ausreichend gepflegt haben soll. Deshalb müsse sie das Haus verlassen. Simone wiederum kämpft um ihren Verbleib in der Villa.
Eigentlich sollten am Freitag auch Zeugen aus Simones Lager gehört werden. Wegen eines Richterwechsels dauerte die Verhandlung jedoch länger als geplant. Aus Zeitgründen wurden diese Zeugenaussagen auf den nächsten Verhandlungstermin im Dezember verschoben.
Damit ist der Streit um die Villa noch lange nicht entschieden. Auch beim Millionen-Vergleich gibt es vorerst keine Einigung. Der Poker um das Haus in Döbling geht weiter.