Angesichts der gescheiterten Pläne des amtierenden Präsidenten Gianni Infantino, Anteile an Weltmeisterschaften an Investoren zu verkaufen, geht ein tiefer Riss durch die 211 Verbände und die sechs kontinentalen Konföderationen - auch mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen im März 2027, bei denen Infantino in seinem Amt bestätigt werden will.
Eigentlich galt seine Wiederwahl bis vor wenigen Tagen als ausgemachte Sache, er soll die Unterstützung von rund 200 Nationalverbänden gehabt haben. Doch nun ist ein brisanter Machtkampf entbrannt.
Europa (UEFA/55 Mitgliedsverbände): Die Position der UEFA ist eindeutig. Sie fordert im Machtkampf mit Infantino, alle Verkaufspläne auch für die Zukunft auszuschließen, hat Maßnahmen zur Einleitung juristischer Schritte eingeleitet und droht weiter mit einem Boykott von FIFA-Wettbewerben. Die norwegische Verbandschefin Lise Klaveness forderte am Freitag Infantinos Rücktritt. Alle 55 Verbände dürften demnach gegen Infantino stimmen.
Afrika (CAF/54): Die CAF bekräftigte am Donnerstag nach einer FIFA-Sitzung im Infantino-freundlichen Marokko wenig überraschend "einstimmig" ihre Unterstützung für den Präsidenten und dankte ihm für seine "über Jahre hinweg geleistete, unermüdliche Unterstützung des afrikanischen Fußballs". Wie belastbar die Stellungnahme der CAF-Führung ist, bleibt allerdings umstritten. Theoretisch könnte dies aber 54 Stimmen für Infantino bedeuten.
Asien (AFC/46): Die AFC unterstützte zunächst geschlossen die UEFA bei ihrem Vorgehen gegen die Pläne Infantinos. Es gibt Verbände wie Jordanien, die sich klar gegen Infantino aussprechen, einige kleinere haben sich auf die Seite des FIFA-Präsidenten geschlagen (u.a. Katar, Vereinigte Arabische Emirate). Noch nicht geäußert hat sich Saudi-Arabien – 2034 WM-Gastgeber und damit einer der wichtigsten Verbände Asiens.
Nord- und Mittelamerika, Karibik (CONCACAF/35): Die Verbände der CONCACAF standen bislang geschlossen an der Seite der UEFA. Am Freitag gab allerdings der jüngste WM-Co-Gastgeber Mexiko eine Stellungnahme ab, die als Unterstützung für Infantino gedeutet werden kann. Das müsste allerdings 34 Stimmen gegen Infantino bedeuten. Der kanadische Verbandspräsident und CONCACAF-Vorsitzende Victor Montagliani trat zuletzt als großer Infantino-Kritiker auf. Ihm wird ein enges Verhältnis zu Europa nachgesagt, er gilt als möglicher Gegenkandidat zu Infantino bei der Wahl 2027.
Ozeanien (OFC/11): Von der OFC gibt es bislang keine offizielle Stellungnahme. Die OFC verweist auf das vorgesehene Treffen ihres Exekutivkomitees am 12. August.
Südamerika (CONMEBOL/10): Südamerika äußerte seine "Besorgnis" über das Vorgehen von Infantino unter anderem im Zusammenhang mit den Verkaufsplänen, steht tendenziell aber wohl hinter dem FIFA-Präsidenten. Zumindest unterstützt die CONMEBOL den Vorschlag Infantinos, die Weltmeisterschaft auf 64 Teams aufzustocken – in der Hoffnung, dass dies nicht nur mehr WM-Startplätze für Südamerika, sondern auch mehr Spiele der WM 2030 bedeuten würde. Bisher sind nur drei Partien inklusive WM-Eröffnungsspiel – je eine in Uruguay, Argentinien und Paraguay – vorgesehen.