"Heute"-Interview

ER schoss 2016 das erste Tor im Rapid-Stadion

Vor exakt zehn Jahren bestritt Rapid das erste Pflichtspiel im Allianz Stadion. Premieren-Torschütze Christoph Schößwendter erinnert sich.
Erich Elsigan
23.07.2026, 07:05
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Am 23. Juli 2016 stieg im damals nagelneuen Allianz Stadion das erste Pflichtspiel. Rapid traf in der Bundesliga auf Ried, siegte deutlich mit 5:0. Den Torreigen eröffnete Neuzugang Christoph Schößwendter in Minute 13. Der Verteidiger schrieb Geschichte, war es doch – abgesehen vom Testspiel-Sieg gegen Chelsea – das erste Tor im grün-weißen Fußball-Tempel.

Exakt zehn Jahre später erinnert sich Schößwendter im "Heute"-Interview an den historischen Tag.

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Welche Erinnerungen haben Sie an das Premierentor im Allianz Stadion?
"Unglaublich, dass es schon wieder zehn Jahre her ist. Es war ein richtig geiler Tag. Ich bin neu von der Admira gekommen, es waren also komplett neue Dimensionen. Das Wetter war super, ein bisschen heiß vielleicht, die Stimmung war genial, das Spiel großartig. Und mein Tor war für mich die Draufgabe. Denn ein frühes Führungstor ist gegen die vermeintlich Kleinen oft besonders wichtig. Ich kann mich noch sehr gut erinnern."

Können Sie das Tor beschreiben?
"Es war ein Kopfball, aber eines meiner leichteren Tore. Freistoßflanke von Thomas Murg, ich hab ihn nur noch aus drei, vier Metern drüberschieben müssen. Es war nicht die große Herausforderung."

Der Eintrag in den Geschichtsbüchern war Ihnen jedenfalls sicher. Sind Sie stolz darauf?
"Ich bin nicht der Typ, der sich groß wichtig nimmt, erzähle die Geschichte nicht jedem, den ich treffe. Ich weiß natürlich, dass das Tor etwas Besonderes war und ist, aber ich definiere mich nicht darüber, fühle mich deswegen nicht besser. Für mich waren damals an dem Tag andere Dinge wichtiger. Ich kam von der Admira, war über drei Monate verletzt, auch in der Sommerpause noch, hab aber den Schritt zu Rapid gewagt. Trotz der Vorgeschichte habe ich mir ein Leiberl in der Startelf erkämpft. Dass das mit einem Tor aufgeht, war extrem geil."

Rapid-Trainer war damals Mike Büskens. Im Klub dachte man, mit ihm gelingt nach langer Durststrecke ein Titel. Es sollte bekanntlich anders kommen. Haben Sie das damals für möglich gehalten?
"Nein, das konnte ich nicht erahnen. Bevor ich unterschrieben habe, war ich ein halbes Jahr mit Rapid im Austausch. Sie hatten die beste Zeit seit Langem, waren drei Mal Vizemeister unter Zoran Barisic. Man dachte, jetzt bekommt man das neue Stadion und wird quasi automatisch Meister, es war das letzte Puzzlestück. Mich hat damals Zoki geholt. Zwei Tage vor dem Trainingsstart hat mich Andreas Müller (damaliger Sportdirektor, Anm.) angerufen und gesagt, dass sie ihn entlassen und ein neuer Coach kommt. Das war für mich am Anfang ungut. Ich habe es dann zum Glück auch unter Büskens geschafft. Ich glaube, dass Rapid nach einem Titel lechzt, weil der letzte schon sehr lang her ist. In der Zeit, bevor ich kam, war die absolute Glanzzeit von Red Bull Salzburg. Hätten Salzburg damals so gespielt wie in den letzten drei Jahren, wäre Rapid zwischen 2013 und 2016 sicher mal Meister geworden. Jetzt muss man sich ankreiden, dass man es trotz Schwächephase von Salzburg nicht schafft. Sturm ist es gelungen, dem LASK auch. Es wäre sicher mehr möglich gewesen."

Blau-Weiß Linz ist abgestiegen. Wie lange dauert es, bis man das verdaut hat?
"Es schmerzt noch immer, ich bin jetzt doch schon viereinhalb Jahre hier. Der Klub ist mir ans Herz gewachsen, ich habe eine besondere Beziehung zu den Leuten aufgebaut. Es war enttäuschend, aber der Fußball ist extrem schnelllebig. Es gibt genug Herausforderungen, ich kann nicht wochenlang Trübsal blasen. Das bringt nichts. Man muss es als neue Chance sehen, wir müssen wieder in die Spur kommen. In den letzten Jahren war alles positiv, der Abstieg war ein richtiger Schlag in die Goschn."

Lautet das Ziel "sofortiger Wiederaufstieg"?
"Wir wollen aufsteigen, ja. Aber die zweite Liga ist schwer. Es gibt zwei, drei andere Klubs, die nicht so offensiv wie wir mit dem Ziel rausgehen – Vienna, St. Pölten, Wacker Innsbruck. Aber egal, in welcher Liga du Meister werden willst, es muss vieles zusammenpassen. Vieles kann man nicht planen, man kann aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es klappt. Wir werden eine gute Qualität im Kader haben, es ist ein riesiger Umbruch. Es kann noch kein Mensch sagen, ob es eine Woche dauert, bis wir funktionieren, oder länger. Man kann es im Training beeinflussen, aber alle Faktoren hat man nicht in der Hand. Wir wollen jedenfalls angreifen."

Stefan Schwab hat berichtet, Blau-Weiß Linz hat sich um ihn bemüht? Es wurde Ried. Woran ist der Deal gescheitert?
"Am Ende war sicher der Hauptfaktor, dass er in Ried Bundesliga spielen kann. Das ist total legitim und nachvollziehbar. Er ist nicht der einzige Spieler, der es so macht. Wir haben uns mit mehreren Kandidaten befasst, die gemeint haben, dass wir ein cooler Verein sind und es ein tolles Projekt mit einem geilen Stadion und geilen Fans ist, aber es ist eben die zweite Liga. Das ist nicht schlimm, als Spieler strebt man nach dem Höchsten."

Blau-Weiß ist abgestiegen, Stadtrivale LASK wurde Meister – macht es das doppelt bitter?
"Nein. Sicher merkt man, dass es für den LASK der 'Best Case' und für uns der 'Worst Case' war, aber es ist nicht so wie in Wien mit Rapid und Austria. Es gibt schon eine große Rivalität, aber die Ansprüche sind komplett unterschiedlich. Es ist eher wie bei Sturm und dem GAK."

Die Fußballfans wurden jetzt sechs Wochen lang mit der WM bespaßt. Droht ein Kulturschock, wenn es jetzt wieder Hausmannskost gibt?
"Es gibt genug Leute, die sich auf uns freuen. Das zeigen auch die Zahlen. Wir haben mehr Dauerkarten verkauft als in den drei Jahren Bundesliga. Man sieht, die Fans ziehen voll mit. Das ist extrem positiv. Es ist untypisch, dass du als Absteiger mehr Zuschauer hast als in der Bundesliga. Aus meiner Warte war die WM ganz komisch, sie war nicht greifbar. Sie war weit weg, die Uhrzeiten waren ungemütlich. Bei mir kam nie die Euphorie auf, die ich sonst bei Großevents habe. Es war zu viel Show. Und logisch gibt es jetzt am Anfang dann wieder die Vergleiche und die Jammerei, wie schlecht das Niveau in Österreich ist."

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