Mit akkurater Frisur und Dauerlächeln zieht er durchs Land: Ulrich Siegmund (35) ist der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt und will bei der Landtagswahl am 6. September die "historische Sensation" schaffen - als erster AfD-Politiker Ministerpräsident werden.
In den Umfragen liegt seine Partei seit Monaten weit vorne, erreicht Werte von über 40 Prozent.
Siegmunds Wahlziel: "45 Prozent plus X". Sein Kalkül: Selbst ohne absolute Mehrheit könnte es für die meisten Sitze reichen, wenn andere Parteien an der Fünfprozenthürde scheitern.
Der studierte Wirtschaftspsychologe gibt sich siegesgewiss. Er überzieht das Bundesland mit seiner Präsenz, schießt unermüdlich Selfies und bringt Tassen und Shirts mit seinem Gesicht unters Volk. Auf seinen Social-Media-Kanälen folgen ihm Hunderttausende.
Hinter der freundlichen Fassade stehen jedoch radikale Positionen. Der Verfassungsschutz stuft die AfD in Sachsen-Anhalt als "gesichert rechtsextremistisch" ein.
Siegmund war auch beim umstrittenen Potsdamer Treffen dabei, wo der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner sein Konzept zur Vertreibung von Millionen Menschen mit Migrationshintergrund vorstellte. Siegmund spielt das heute als "Potsdamer Kaffeekränzchen" herunter.
Das AfD-Programm für Sachsen-Anhalt ist radikal: Als erste Amtshandlung will Siegmund den Medienstaatsvertrag kündigen - die Rechtsgrundlage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dazu will die AfD "abschieben ab Minute eins" und Regenbogenflaggen an Schulen verbieten.
Siegmund wurde 1990 in Havelberg geboren und wuchs in Tangermünde auf. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem Studium machte er sich mit einer Firma für Duftmarketing selbstständig. Politisch war er ab 2008 zunächst bei der CDU, bevor er 2014 zur AfD wechselte. Seit 2016 sitzt er im Landtag, nun will er in die Staatskanzlei.