Ein Prozess mit Seltenheitswert hat am Landesgericht Graz für Aufsehen gesorgt: Eine Steirerin stand vor Gericht, weil sie ihren eigenen Ehemann sexuell missbraucht haben soll – das berichtet die "Kronen Zeitung".
Laut Anklage war die Ehe des Paares bereits länger schwer belastet. Als der Mann schließlich die Trennung ankündigte, konnte die 46-Jährige das offenbar nicht akzeptieren. Die Situation eskalierte, nachdem eine Paartherapie scheiterte und der Mann sich innerhalb des gemeinsamen Hauses zurückzog.
Die Staatsanwältin schilderte laut "Krone" vor Gericht, dass die Angeklagte wiederholt versucht habe, "mit ihrem Mann etwas zu haben, aber er wollte nicht". Schließlich soll sie die Situation ausgenutzt haben, als er nach einem langen Arbeitstag eingeschlafen war. Sie habe sich zu ihm ins Bett gelegt und ihn missbraucht, heißt es in dem Bericht.
Als der Mann aufwachte und sich wehrte, kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung. Dabei wurde er im Intimbereich verletzt. Neben dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs wurde der Frau auch Körperverletzung angelastet. Die Staatsanwältin stellte laut "Krone" klar: "Egal ob Mann oder Frau, wenn jemand nicht sexuell verkehren will, ist das zu akzeptieren".
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Die Angeklagte wies die Vorwürfe zunächst zurück. "Ich bin noch immer in Schockstarre, was mein Mann mir da antut", wird die Frau in der "Krone" zitiert. Sie habe lediglich das Gespräch gesucht:
"Doch er sagte, ich soll verschwinden und hat mich zum Türstock gedrängt. Da hab’ ich mich natürlich gewehrt." Auf die Frage der Richterin, ob ihr Mann den Übergriff erfunden habe, antwortete sie: "Ja".
Nach einer Unterbrechung änderte sich die Situation jedoch grundlegend: Die 46-Jährige legte ein Geständnis ab und bezahlte auch das geforderte Schmerzensgeld.
Das Urteil fiel vergleichsweise milde aus: ein Jahr Haft bedingt, dazu 1.800 Euro Geldstrafe sowie die Verpflichtung zu einer Therapie. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.