Die deutsche Kulturlandschaft nimmt Abschied von einem der einflussreichsten Denker der Nachkriegszeit: Alexander Kluge ist tot. Der Filmemacher, Schriftsteller und Intellektuelle starb im Alter von 94 Jahren in München, wie der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf seine Familie bestätigte.
Kluge galt als eine der prägendsten Figuren des Neuen Deutschen Films. Gemeinsam mit Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder und Werner Herzog setzte er in den 1960er- und 70er-Jahren neue Maßstäbe im Kino. Sein Werk war nie nur Unterhaltung – es war immer auch politisch, philosophisch und gesellschaftskritisch.
Geboren 1932 in Halberstadt, erlebte Kluge als Kind die Zerstörung des Zweiten Weltkriegs – Erfahrungen, die sein späteres Schaffen nachhaltig prägten. Nach einem Jurastudium arbeitete er zunächst als Anwalt, bevor er sich ganz der Kunst widmete. Früh wurde er von Theodor W. Adorno gefördert, der seinen intellektuellen Zugang zur Kultur entscheidend beeinflusste.
Sein Film Abschied von gestern gilt als Meilenstein des deutschen Autorenkinos und wurde international ausgezeichnet. Auch literarisch hinterließ Kluge ein beeindruckendes Werk: Mit Büchern wie Chronik der Gefühle verband er Erzählungen, Essays und philosophische Reflexionen zu einem einzigartigen Stil.
Bis ins hohe Alter blieb Kluge aktiv. Mit seinen TV-Gesprächen und Kulturformaten, unter anderem für Sender wie RTL, brachte er anspruchsvolle Inhalte einem breiten Publikum näher – oft spät in der Nacht, aber stets mit großer Tiefe.
Mit Alexander Kluge verliert Deutschland einen der letzten großen Universalgelehrten – einen Mann, der Kino, Literatur und Denken auf unverwechselbare Weise verbunden hat.