Erfand Polizei Doppelboden in BMW von Drogenbaron?

Zu viel "Narcos" auf Netflix geschaut? Um Wiens berüchtigten Drogenbaron samt Clan zu überführen, lastete ihm die Polizei Schmuggelfahrten mit einem doppelbödigen BMW an. Ein Gutachten belegt nun: Ein Einbau ist technisch unmöglich.

In diesem Pannen-Fall blüht offenbar die Fantasie – und sprießen die Skandale wie Gras unter einer Grow-Lampe. Boban J. – "Heute"-Lesern ist der Fall bekannt – soll als Kopf einer kriminellen Bande Cannabis im allergrößten Stil verkauft haben. Seit Jänner 2020 muss er sich mit drei Mitangeklagten vor einem Geschworenengericht in Wien verantworten. Das Vermögen des Arbeiters (Lohn: 2.000 Euro netto) soll durch Drogendeals auf saloppe 19 Millionen Euro angewachsen sein. Boban J. selbst gab vor Gericht an, das Geld stamme aus "Mieteinnahmen, seinem Kfz-Unternehmen sowie der Schneeräumfirma des Vaters".

Der Pleiten-, Pech- und Pannenfall

Doch die Behörden blamierten sich bis auf die Knochen. So musste der hauptverdächtige Serbe (37) freigelassen werden, da die Justiz zu langsam ermittelte, die Menschrechtsorganisation ZARA rügt die "Operation Roma" in ihren Rassismusreport 2019 – und ein dubioser Kronzeuge war den ermittelnden Beamten "nicht ausreichend zuverlässig", um die Aussage zu protokollieren.

"Beweisfoto" aus dem Internet

Vor der Prozessfortsetzung am Dienstag wirft ein von Anwalt Mathias Burger eingeholtes Gutachten ein schiefes Licht auf die Ermittlungsarbeit. Nach dem anonymen Tipp des dubiosen Informanten will die Polizei Nachschau bei einem BMW des Clans gehalten und einen "Doppelboden, der über die gesamte Fahrzeuglänge reiche", entdeckt haben. Hier sollen die Drogen bei Schmuggelfahrten versteckt worden sein. Ein Beweisfoto wurde aus "kriminaltaktischen Gründen" seltsamerweise nicht gemacht, im Akt fand sich später ein aus dem Internet geladenes Bild – eines BMW X1. Die Angeklagten fuhren allerdings einen "normalen" 1er-BMW, der völlig anders ausgestattet ist.

Gutachter: "Technisch nicht möglich"

Ein gerichtlich beeideter Sachverständiger kam in dem von Anwalt Burger eingeholten Expertendossier nun zum Schluss: "Der professionelle Einbau eines doppelten Fahrzeugbodens ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit technisch nicht möglich, da hierfür ein massiver Eingriff in die gesamte Karosseriestruktur notwendig wäre."

Machen nun die Geschworenen eine Notbremsung in dem verworrenen Krimi? Unklar. Fakt ist jedenfalls: Die vier Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Ein Urteil soll im Frühjahr fallen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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