Erst Nazi-Sager, dann rechnet Ex-Boss mit dem DFB ab

Fritz Keller
Fritz Kellerimago images/Sven Simon
Nach einem Nazi-Sager trat DFB-Boss Fritz Keller von seinem Amt zurück. Zu Abschied holte er zum Rundumschlag aus.

"Ich übernehme damit persönlich Verantwortung für meine Entgleisung in der Präsidiumssitzung vom 23. April 2021, die trauriger Tiefpunkt der desolaten Führungssituation des DFB bleiben soll", sagte Keller in einer Aussendung des DFB. Der Verband müsse "sich verändern".

Der frühere Präsident des SC Freiburg hatte Vizepräsident Rainer Koch als "Freisler" bezeichnet. Roland Freisler war Vorsitzender des Volksgerichtshofes im Nationalsozialismus, wurde "Blutrichter" genannt. Deswegen gibt Keller nun sein Amt ab. Am vergangenen Freitag verhandelte die Ethikkammer des Sportgerichts in der Sache, ein Urteil wird für diese Woche erwartet.

Vor dem Rücktritt meint Keller weiters über den DFB: "Er muss seine Glaubwürdigkeit, das Vertrauen in seine Integrität und Leistungsstärke zurückgewinnen. Doch ob es bei der Durchführung einer Generalinventur war, bei Professionalisierung und Modernisierung von Strukturen einschließlich einer schnellstmöglichen Ausgliederung des gewerblichen Geschäftsbetriebes des DFB: In jeder Phase der Umsetzung dieser Grundsätze stieß ich innerhalb des DFB auf Widerstände und Mauern."

Außerdem meint der scheidende DFB-Boss: "Als Präsident bin ich angetreten, weil der DFB bereits im Herbst 2019 ein Sanierungsfall war mit unzähligen ungelösten Themen und 'Baustellen'. Der DFB litt unter den Spätfolgen des Sommermärchens mit Strafverfahren und einem Ansehensverlust, die die Einheit des Fußballsports mit Profis und Amateuren gefährden. Der DFB-Führungsstil hatte in wenigen Jahren vier Präsidenten verschlissen, in meiner Amtszeit kamen schwerwiegende Auswirkungen der Corona-Krise auf den Fußballsport hinzu am heftigsten betroffen waren und sind die tausenden Vereine mit den aktiven Spieler*innen und Jugendlichen."

Interimsweise springen Vizepräsidenten Rainer Koch und Peter Peters ein, wie der DFB bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt hatte. Keller ist nach Wolfgang Niersbach im November 2015 und Reinhard Grindel im April 2019 der dritte DFB-Präsident, der sein Amt innerhalb kurzer Zeit wegen eigener Verfehlungen räumen muss.

Wer auf Keller folgt, ist offen. Genannt wurden bereits unter anderem die Namen von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge und Rio-Weltmeister Philipp Lahm, auch die frühere Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus gilt als Kandidatin. Keller war 2019 von einer Findungskommission des DFB und der Deutschen Fußball Liga vorgeschlagen worden.

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