Sein Fund war eine echte Sensation – jetzt kehrt der "Mann aus Neuessing" zurück in die Heimat. Und zwar als detailgetreues 3D-Skelett, das im Altmühltal erstmals öffentlich gezeigt werden soll. Doch bevor Besucher einen Blick auf den Ur-Bayern werfen können, heißt es: puzzeln.
Insgesamt 67 Einzelteile müssen zusammengesetzt werden. Bürgermeister Jörg Nowy und Orthopäde Rudolf Dietz wagen sich an die heikle Aufgabe – mit Nachbildungen aus dem 3D-Drucker. Die Originalknochen sind dafür viel zu wertvoll und bleiben sicher in München verwahrt.
Die Herausforderung ist groß: "Man hat sowas noch nie gemacht", sagt Nowy. Auch Orthopäde Dietz betritt Neuland: "Normalerweise habe ich mit Knochen zu tun, die noch im Menschen drin sind!"
Stück für Stück entsteht das Skelett – erste Formen wie der linke Fuß werden sichtbar. Der Bayerische Rundfunk dokumentierte den Vorgang.
Der Fund selbst ist einzigartig: Die Knochen wurden bereits 1913 in den Klausenhöhlen entdeckt, rund einen halben Meter unter dem damaligen Bodenniveau, auf einer Felsplatte drapiert. Sie sind etwa 34.000 Jahre alt und damit noch einmal fast 30.000 Jahre älter als die weltberühmte Gletschermumie "Ötzi". Damit handelt es sich um eine der ältesten bekannten Bestattungen eines modernen Menschen in ganz Europa.
Fast ein Wunder, dass die Überreste so lange unbeschädigt blieben. Denn die Höhlen dienten lange als Bierkeller – inklusive Kegelbahn und Schießstand. Erst mit dem Ersten Weltkrieg war damit Schluss.
Besonders spannend: Trotz früher Konservierung mit Lack konnte ein winziges Stück DNA analysiert werden. Das Ergebnis überrascht: Der Ur-Bayer hatte dunkle Haut, schwarze Haare und ernährte sich von Fisch sowie Wildtieren – ganz ohne Karies.
Nach rund eineinhalb Stunden ist das Puzzle geschafft. Das fertige Skelett liegt im Schaukasten – exakt auf die Körpergröße von etwa 1,63 Meter angepasst. Für Nowy ist klar: "Das war eigentlich die Urbesiedelung Bayerns. Deshalb sag ich immer: 'Der Ur-Bayer muss eigentlich ein Essinger gewesen sein.'"