Familiennamen entschlüsselt

Woher kommt dein Nachname? Forscher klären auf

Ein deutsches Forscherteam entschlüsselt seit 2012 die Herkunft von Familiennamen – mit teils überraschenden Ergebnissen.
Newsdesk Heute
29.03.2026, 22:51
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Die meisten Menschen wissen wenig über die Bedeutung ihres Nachnamens. Dabei steckt hinter fast jedem Familiennamen eine faszinierende Geschichte – oft Jahrhunderte alt. Ein Team der Akademie der Wissenschaften in Mainz arbeitet seit 2012 daran, diese Geschichten zu entschlüsseln.

Das Projekt, das noch bis 2036 laufen soll, umfasst neun Mitarbeiter unter der Leitung von Germanistin Rita Heuser. Basis der Forschung sind rund 850.000 Familiennamen aus Telefonbucheinträgen. Monatlich werden etwa 800 Namen im Online-Wörterbuch ergänzt.

Laut n-tv.de gehen viele häufige Nachnamen auf Berufe zurück. Der Name Müller etwa ist der häufigste in Deutschland – weil es den Beruf des Müllers sehr oft gab. Ähnlich verhält es sich mit Schmidt, Schulz oder Maier.

Kuriose Berufe als Namensgeber

Manche Namen überraschen jedoch: "Nonnenmacher" etwa klingt religiös, bezeichnet aber einen Schweinekastrierer. Das Wort "Nonne" stand im Mittelhochdeutschen auch für ein kastriertes Schwein. Auch "Berenstecher" und "Pagenstecher" waren Kastrierer – von Ebern beziehungsweise Pferden.

Die Vielfalt deutscher Namen erklärt Heuser mit der Lage mitten in Europa. Wanderungsbewegungen und Dialekte prägten die Entwicklung. Der Name Nowak kommt aus dem Slawischen, Schwalie vom Französischen "Chevalier" (Ritter).

Namen spiegeln Geschichte wider

Interessant: Früher war die regionale Verteilung von Namen stabil. Maier und Mayer fand man im Süden, Meyer im Nordwesten. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das durch Fluchtbewegungen – etwa beim Namen Scholz, der ursprünglich in Schlesien häufig war.

Nicht immer waren Namensgeber freundlich. "Manche Namen waren gemein", sagt Heuser. Der Name "Spinnenhirn" etwa klingt wenig schmeichelhaft – auch wenn die genaue Bedeutung heute nicht mehr nachvollziehbar ist.

Im 16. Jahrhundert war die Entwicklung von Familiennamen in Deutschland weitgehend abgeschlossen. Seitdem kam außer durch Einwanderung kaum Neues dazu – mit einer Ausnahme: Manche "lateinisierten" ihren Namen. So wurde mancher Müller zum "Molitor".

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