Noch immer beschäftigt der Fall um die zwölfjährige Anna ganz Österreich. Zur Vorgeschichte: Zehn Burschen mit Migrationshintergrund mussten sich vor Gericht in Wien verantworten, weil sie die Minderjährige zum Sex gezwungen haben sollen.
Am Ende wurden alle Beschuldigten freigesprochen. In den Medien war von einem "Skandalurteil" zu lesen, auch Stimmen aus der Politik meldeten sich zu Wort. Das Gericht hingegen sprach aufgrund von widersprüchlichen Aussagen sowie Chatverläufen und Zeugenaussagen ganz klaren Freisprüchen.
Was zurückbleibt, ist Unverständnis bei der Bevölkerung und bei der Mutter der damals Zwölfjährigen. In einem Buch verarbeitete sie nun die Geschehnisse. Diesbezüglich war Sophie N. auch im "fair&female"-Podcast der "Kleinen Zeitung" zu Gast. Dort kritisiert sie das System und warnt zugleich vor kommenden Verbrechen. Die Botschaft der Frau ist klar: Sollte sich nichts ändern, werden noch "viele Annas" folgen.
Ihr zufolge liege der Fehler "im System". Demnach habe sie schnell gemerkt, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmt. Das Mädchen habe sich immer mehr zurückgezogen, weshalb man sich auch Hilfe bei Psychologen gesucht hätte. Dort habe man der Frau jedoch keinen Glauben geschenkt, obwohl sie Schlimmes befürchtete.
Vielmehr habe man ihr geraten, mit Anna über ihre Hobbys zu sprechen, erst später erzählte die Zwölfjährige schlussendlich durch ihren "Freund", was ihr passiert war. Laut der Mutter soll sich dieser auch als Beschützer ihrer Tochter präsentiert haben. Der junge Mann habe geschworen, nicht intim mit Anna zu werden.
Dennoch wurde sie schlussendlich von ihm schwanger und musste abtreiben, wurde in dem Podcast berichtet. Zu dem Zeitpunkt der Abtreibung war Anna erst 13 Jahre. Sie hatte "unfassbare Schmerzen", die man gar nicht in Worte fassen könne, so die Mutter der Jugendlichen.
Im Prozess wurde der Zwölfjährigen dann durch ein Gutachten eine Ich-Störung diagnostiziert. Für die Mutter hatte es den Anschein, als wolle man ihrer Tochter die Schuld für die Übergriffe geben. Zudem soll eine Richterin gemeint haben, dass aus einem "Nein" auch ein "Ja" werden kann. Für Sophie N. sei die eine Aussage, bei der "einem wirklich die Kinnlade" hinunterfällt.
Die Frau nahm hier Bezug auf einen Kommentar von Annas Anwalt: "Keine 12-Jährige hat 13-mal hintereinander freiwillig Sex mit 16- oder 17-jährigen Männern." Das Ende der Verhandlung kam für die Mutter dann immer weniger überraschend.
Aber schon als man die Anzeige bei der Polizei aufgab, habe es Probleme gegeben. In solchen Fällen gebe es für die Beamten "keinen Fahrplan", kritisierte die Mutter. Es sollte hier schon eine Psychologin hinzugezogen werden, denn eine Erstaussage sei "die Basis für alles Weitere".
Die Frau sprach von lückenhafter Aufklärung und Verteidigern, die ihre Tochter "in der Luft zerrissen" hätten. Ein von ihr beauftragtes Gegengutachten sei vor Gericht dann nicht angenommen worden. Auch der Umstand, dass es ein zweites Mädchen gab, das von einigen der Freigesprochenen im Fall ihrer Tochter missbraucht worden sein soll, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack – in dieser Causa wurden die Ermittlungen eingestellt.
Für die Mutter von Anna müsse ein Umdenken im System stattfinden. Es gebe keinerlei Abschreckung für potenzielle Täter im Lande. Sie forderte härtere Strafen und eine bessere Strafverfolgung. Wenn das Martyrium ihrer Tochter "für etwas gut gewesen sein soll, dann zumindest, dass man Frauen künftig besser schützt", so Sophie N.