Nach dem aufsehenerregenden Freispruch für zehn Angeklagte im Fall rund um eine damals 12-Jährige meldet sich nun die Mutter des Mädchens zu Wort. In einem Buch verarbeitet sie die Ereignisse - und spart nicht mit Kritik an Polizei und Justiz.
Die heute unter dem Namen Sophie N. auftretende Mutter sieht im Verfahren schwere Fehler. Aus ihrer Sicht sei ihre Tochter nicht ernst genommen worden. "Das Urteil hat unsere Familie erschüttert. Im Endeffekt wurde es so dargestellt, als hätte meine Tochter das alles erfunden oder freiwillig gemacht", erzählt sie gegenüber dem KURIER.
Im Zentrum steht ein Vorfall, bei dem das Mädchen laut eigenen Angaben von mehreren Jugendlichen missbraucht worden sein soll. Das Gericht sprach alle Angeklagten frei. Begründet wurde das unter anderem mit widersprüchlichen Aussagen sowie Chatverläufen und Zeugenaussagen.
Für die Mutter ist das unverständlich. Sie kritisiert vor allem den Umgang mit der ersten Aussage ihrer Tochter. "Wenn man die Erstaussage meiner Tochter gelesen hat und sieht, wie lückenhaft das Ganze ist, ist das untragbar für alle weiteren Opfer, die zu einer Polizeistelle gehen", sagt die Mutter von Anna-Sophia (Anm. Name geändert) im KURIER.
Auch im weiteren Verlauf des Verfahrens ortet sie Probleme. Bei späteren Einvernahmen seien andere Fragen gestellt worden. Daraus seien Widersprüche konstruiert worden, die letztlich gegen ihre Tochter ausgelegt worden seien.
Besonders empört zeigt sich die Mutter über Aussagen im Gerichtssaal. "Wie kann es etwa sein, dass ein Richter von Freiwilligkeit spricht – und das bei einem 12-jährigen Kind?", fragt sich Sophie N. in der Tageszeitung.
Das Gericht sah die Beweislage anders. Laut vorsitzendem Richter habe das Verfahren "ganz klar zu Freisprüchen" geführt. Die Staatsanwaltschaft legte kein Rechtsmittel ein, die Entscheidung ist damit rechtskräftig.
Trotz allem würde die Mutter denselben Weg wieder gehen. "Schon allein, um ein Zeichen zu setzen. Welche Werte würde ich sonst meiner Tochter vermitteln?", wird die Mutter von Anna-Sophia im KURIER zitiert.
Heute versucht die Familie, Abstand zu gewinnen. Sie lebt mittlerweile in einem anderen Bezirk, das Umfeld des Mädchens weiß nichts von der Vergangenheit. Für die Tochter zählt vor allem eines: wieder ein normales Leben führen: "Meine Tochter soll einfach wieder Teenager sein".