Fortsetzung im Prozess am Wiener Landl gegen ein mutmaßliches Mitglied einer Bande von "falschen Polizisten". Eine 37-Jährige soll Teil einer Betrugsorganisation gewesen sein, die sich gezielt ältere Menschen in Österreich als Opfer ausgesucht haben soll – wir berichteten. Am Donnerstag (26.3.) wurde nun am Landl weiter verhandelt.
Laut Anklage war die Österreicherin als sogenannte "Keilerin" tätig. Sie soll von einem Callcenter aus mit oftmals betagten Opfern telefoniert haben. Dabei habe sie sich als Polizistin ausgegeben und behauptet, es gebe konkrete Gefahren – etwa bevorstehende Einbrüche oder korrupte Bankmitarbeiter. Laut Staatsanwaltschaft betreibt die kriminelle Organisation ein Callcenter in Istanbul. Opfer werden am Anfang des Gesprächs bewusst "abgeklopft", um herauszufinden, wie leichtgläubig diese sind.
Die Angerufenen seien dann massiv unter Druck gesetzt worden. Ziel sei es gewesen, sie zur Übergabe von Bargeld und Schmuck zu bewegen. In mehreren Fällen holten Abholer die Wertsachen ab. Die Angeklagte wird von Star-Anwältin Astrid Wagner vertreten. Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und schwerer Betrug lauten die Vorwürfe. "Meine Mandantin bekennt sich nicht schuldig", so Wagner am Wiener Landl. "Sie hat nichts gemacht."
Laut Anklage war die Bande arbeitsteilig und streng hierarchisch organisiert. In der Türkei saßen die Telefonisten, die systematisch Opfer kontaktiert haben sollen. Die Rufnummern wurden "gespooft", also technisch manipuliert. Logistiker stehen in der Türkei über abhörsichere Messanger mit den Abholern in Österreich in Kontakt, geben diesen Anweisungen. Auch in Österreich sind Logistiker tätig, um neue Abholer anzuwerben und die Beute in die Türkei weiterzuleiten.
Der Schaden in Österreich soll enorm sein: Laut Ermittlern beläuft er sich auf mindestens 400 Fälle mit über 19 Millionen Euro. Die tatsächliche Summe dürfte noch höher sein.
Die Angeklagte soll für ihre Dienste als Telefonistin laut Staatsanwaltschaft im Herbst 2023 mindestens 5.700 Euro Provision kassiert haben. Die Frau ist zwar in der Nähe von Wien geboren, lebte aber damals bei ihrem Mann in der Türkei.
Die 37-Jährige bestreitet alle Vorwürfe, hat aber schon mehrere Vorstrafen wegen Betrugs angesammelt. Im Fall einer Verurteilung drohen der Frau bis zu fünf Jahre Haft. Weil am Mittwoch (26.3.) erneut Zeugen nicht erschienen, wurde der Prozess wieder vertagt. Die Unschuldsvermutung gilt!