Dass sich das Universum ausdehnt, gilt unter Forschern als gesichert. Doch wie schnell das passiert, darüber wird seit Jahren gestritten. Im Zentrum steht eine wichtige Kennzahl: die sogenannte Hubble-Konstante. Sie beschreibt, wie schnell sich Galaxien voneinander entfernen. Das Problem: Je nachdem, wie man misst, kommen unterschiedliche Werte heraus – und die passen nicht zusammen.
Der Unterschied ist zu groß, um ihn einfach als Messfehler abzutun – und genau das sorgt für Diskussionen in der Wissenschaft.
Ein Forschungsteam aus Italien und Deutschland hat das Problem nun aus einer anderen Perspektive betrachtet. Ihr Ansatz: Das Universum kann nicht jünger sein als die ältesten Sterne, die es enthält.
Also untersuchten die Forscher das Alter von besonders alten Sternen in unserer Milchstraße. Dafür nutzten sie Daten der europäischen Raumsonde Gaia und analysierten zunächst über 200.000 Sterne. Am Ende konzentrierten sie sich auf 160 besonders alte Exemplare, deren Alter sich relativ genau bestimmen lässt. Die Studie wurde im Fachjournal Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.
Die Auswertung zeigt: Diese Sterne sind im Schnitt etwa 13,6 Milliarden Jahre alt. Rechnet man die Zeit dazu, die nach dem Urknall vergehen musste, bis die ersten Sterne entstanden (einige hundert Millionen Jahre), ergibt sich ein Mindestalter für das Universum von etwa 13,8 bis 14 Milliarden Jahren.
Das ist spannend, denn: Ein schneller expandierendes Universum (wie es die erste Messmethode nahelegt) wäre vermutlich zu jung, um solche alten Sterne zu enthalten.
Aus den neuen Daten ergibt sich eher ein niedrigerer Wert für die Ausdehnung – also näher an den 67 km/s aus der Hintergrundstrahlung als an den höheren 73 km/s.
Das würde bedeuten: Das Universum dehnt sich möglicherweise langsamer aus als gedacht.
Trotzdem bleiben die Forscher vorsichtig. Denn ihre Ergebnisse hängen auch von bestimmten Annahmen ab – etwa darüber, wie sich das Universum zusammensetzt. Außerdem gibt es Hinweise auf einzelne Sterne, die noch älter wirken könnten, was zusätzliche Fragen aufwirft.
Sollte sich der Widerspruch zwischen den verschiedenen Messungen bestätigen, könnte das große Folgen haben. Es wäre ein Hinweis darauf, dass unser bisheriges Verständnis des Universums nicht vollständig ist – und dass möglicherweise neue Physik entdeckt werden muss.
Kurz gesagt: Die Frage, wie schnell sich das Universum ausdehnt, ist noch immer offen – aber neue Ansätze bringen uns der Antwort Schritt für Schritt näher.