ORF-Star in neuem Kinofilm

"Es ist kein Film über Demenz, sondern über die Liebe"

"Der verlorene Mann" zeigt mit Harald Krassnitzer und Dagmar Manzel eine berührende Geschichte, die Liebe neu aufrollt. Wir verlosen 10x2 Tickets.
Anna Wallinger
15.05.2026, 06:00
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Mit "Der verlorene Mann", der am 14. Mai ins Kino kommt, erscheint ein Film, der berührt, lehrt und die Liebe in ihrer reinsten Form zeigt. Harald Krassnitzer spielt darin den an Alzheimer erkrankten Kurt, der 20 Jahre nach der Scheidung plötzlich wieder vor der Tür seiner Exfrau Hanne (Dagmar Manzel) steht. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Bernd (August Zirner) nimmt sie ihn bei sich auf – und gewinnt dadurch wider Erwarten eine verloren geglaubte Leichtigkeit zurück.

Im Film führen die Künstlerin Hanne und der pensionierte Pfarrer Bernd eine glückliche, nach Jahren etwas eingefahrene Ehe, bis Hannes früherer Ehemann Kurt wie aus dem Nichts auftaucht. Durch seine Demenzerkrankung erinnert er sich nicht daran, dass die beiden geschieden sind. Während Kurt immer mehr Teil ihres Alltags wird, kehrt neue Lebendigkeit in ihr Leben ein – gleichzeitig gerät ihre bisherige Ordnung zunehmend aus den Fugen. "Heute" hat mit den beiden Hauptdarstellern Harald Krassnitzer und Dagmar Manzel über Liebe, Beziehungen und über eine Krankheit gesprochen, die einen all das irgendwann vergessen lässt.

"Liebe wird sich nie um gesellschaftliche Normen kümmern"

"Der verlorene Mann" ist in erster Linie ein Liebesfilm. Zwar spielt Demenz eine zentrale Rolle, doch im Mittelpunkt steht das ungewöhnliche Beziehungsdreieck zwischen Hanne, Bernd und Kurt – eine Geschichte, die gesellschaftliche Normen hinterfragt und Liebe frei denkt. "Ich definiere Liebe als Zentrum unseres Daseins und schöpferischen Kraft", sagt Manzel im "Heute"-Interview. Für Krassnitzer steht fest: "Entweder es ist Liebe oder die gesellschaftliche Norm." Liebe könne nur frei sein, wenn sie sich nicht an Erwartungen orientiere: "Liebe wird sich nie um die gesellschaftliche Norm kümmern, weil nur dann ist sie frei."

Krassnitzer spricht im Interview auch über Besitzansprüche in Beziehungen. Für ihn hat Liebe vor allem mit Interesse zu tun – mit "der größtmöglichsten Ansammlung an Neugier gegenüber dem anderen". Es gehe darum, den anderen immer wieder neu zu entdecken und sich vom eigenen Ego zu lösen. Scheitern beginne dort, wo Menschen versuchen, einander zu verändern, anstatt sich daran zu erinnern, warum sie sich ursprünglich verliebt haben.

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Alzheimer als Herausforderung – und Verbindung

Für Hanne wird Kurt trotz oder mit seiner Krankheit zu einem Zugewinn. "Es ist vor allem eine Bereicherung für sie als Künstlerin. Weil er einen ganz anderen Blick aufs Leben hat", so Manzel. Durch sein Sein fängt sie an, ihn neu wahrzunehmen. "Sie beginnt ihn auf eine viel schönere Art zu lieben." Gleichzeitig liege genau darin die Tragik der Krankheit: "Man kann seinen Raum dann nicht mehr betreten." Das Schmerzhafteste sei wohl, jemanden zu lieben, der vergisst.

Besonders tragend ist für Krassnitzer und Manzel eine Szene, in der Hanne und Bernd die überforderte Tochter von Kurt besuchen. Als sie ihre Wohnung betreten und das Chaos entdecken, kommt in ihnen ein Gefühl von Mitleid, Nächstenliebe und Verantwortung hoch. Genau diese Emotionen scheinen für die drei der Beginn eines langersehnten Traums zu sein: gemeinsam frei zu sein. Es ist der Startschuss für ein Abenteuer, das aus Liebe erwächst.

Liebe ohne Regeln

Auf die Frage nach den Möglichkeiten und Schwierigkeiten einer Dreiecksbeziehung antwortet Harald Krassnitzer, dass das für ihn privat nie ein Modell gewesen sei. "Ehrlich gesagt, hatte ich nie wirklich den Reiz, es zu leben", sagt er. "Es gab nie die Notwendigkeit zu überlegen, ob man eine Dreiecksbeziehung eingeht." Für die Figur Kurt sei die Beziehung zu Hanne auch vielmehr eine Erinnerung – "wie ein Holz, an das man sich klammert, bevor man in der Flut des Vergessens ertrinkt".

Im Gespräch wird also schnell klar, dass es gar nicht so sehr um Liebesmodelle geht, sondern darum, am Leben des anderen teilzuhaben. "Die beiden betreten ja auch den Raum von Kurt. Für die beiden ist es auch ein Abenteuer", beschreibt Krassnitzer die Dynamik zwischen den Figuren. Während Hanne und Bernd durch die Beziehung zu Kurt wachsen, bringt sie diese Liebe gleichzeitig an ihre Grenzen. "Deshalb ist es auch ein Film über Liebe, Freundschaft und das Leben. Es ist kein reiner Film über die Demenz, sondern darüber, wie Menschen damit umgehen."

Besonders Hanne muss dabei Größe beweisen. Ausgerechnet jener Mann, der sie einst tief verletzt hat, steht plötzlich wieder als liebender Ehemann vor ihrer Tür. Doch nach und nach entwaffnet er sie mit seinen kleinen Gesten im Alltag. "Auf einmal merkt sie, dass sie ihn braucht. Sie merkt sogar, dass sie ihm dankbar ist. Und auf einmal merkt sie, dass sie ihn wieder liebt – anders", beschreibt Dagmar Manzel ihre Figur. "Sie lässt es einfach zu, genauso, wie er das auch tut." Umso wichtiger sei dabei Bernds Rolle, der seinem Anspruch der Nächstenliebe mehr als gerecht wird und den Weg gemeinsam mit Hanne und Kurt geht.

Wenn Erinnerungen verschwinden

"Und für alle drei endet es so, wie das Leben eben ist", sagt Krassnitzer über den Film. Von Scheitern könne man dabei nicht sprechen. Dennoch bleibe am Ende eine schmerzhafte Wahrheit: "Diese Krankheit wirst du alleine beenden." Und genau an diesem Punkt wird das Interview etwas emotionaler als sonst. Für einen kurzen Moment geht es nicht mehr um Film oder Schauspiel, sondern ums Menschsein – und darum, wie sehr einen das Leben mit einem Alzheimer-Patienten auf das Wesentliche zurückwirft: Sonnenstrahlen auf der Haut, raschelnde Baumkronen oder die Hand eines geliebten Menschen, dessen Zeit bald abgelaufen sein wird, auf dem eigenen Rücken.

Krassnitzer spricht in diesem Zusammenhang auch über seine eigene Mutter, die zu Beginn dieses Jahres im Alter von 95 Jahren an Alzheimer gestorben ist: "Wenn die mich berührt hat, dann konnte sie nicht mehr sagen, wer ich bin. Aber wenn sie mich berührt hat, war eine Information da: 'Ich bin deine Mutter'." Genau darin liegt auch die Stärke von "Der verlorene Mann": Der Film erzählt nicht von Würdeverlust, sondern von Begegnung, Leichtigkeit und der Hoffnung, immer wieder neu anfangen zu können. "Nicht angstvoll in die Welt zu sehen", sagt Manzel. "Der verlorene Mann" ist das Spielfilmdebüt von Welf Reinhart, der gemeinsam mit Tünder Sautier auch das Drehbuch geschrieben hat.

Das Gewinnspiel ist aktiv bis 22. Mai 2026, 08:00 Uhr. Die Gewinner*innen werden per E-Mail oder telefonisch verständigt. Barauszahlung und Rechtsweg sind ausgeschlossen.

{title && {title} } wall, {title && {title} } 15.05.2026, 06:00
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