Das ESC-Finale 2026 in Wien ist vorbei, doch in Moldau sorgt die Punktevergabe für einen handfesten Skandal. Vlad Turcanu, Generaldirektor des moldauischen Staatssenders TRM, hat seinen Rücktritt erklärt. Der Grund: massive Kritik an der moldauischen Jurywertung.
Während das moldauische Publikum dem Nachbarland Rumänien die vollen zwölf Punkte gab, vergab die Jury nur wenige Zähler an den Kulturverwandten. Auch die Ukraine ging bei der Jury leer aus. Das sorgte für Empörung, denn Moldau teilt mit Rumänien nicht nur eine Grenze, sondern auch Sprache und Geschichte.
Wie esc-kompakt.de berichtet, hat die Debatte politische Sprengkraft entwickelt. Denn Moldau befindet sich seit Jahren in einem geopolitischen Spannungsfeld zwischen europäischer Orientierung und russischem Einfluss. Die Jurywertung wurde daher von vielen als Affront gegen die eigene europäische Ausrichtung verstanden.
Dabei hatte Moldaus ESC-Vertreter Satoshi mit "Viva Moldova" beim Wiener Finale groß abgeräumt. Der Act erreichte Platz vier im Gesamtergebnis – mit 183 Punkten vom Publikum, aber nur 43 von den Jurys. Gerade dieser Widerspruch befeuerte die Debatte zusätzlich.
Die beteiligten Künstler selbst riefen zur Mäßigung auf. Satoshi appellierte an die Fans: "Unsere Länder waren und werden Freunde sein." Auch Rumäniens ESC-Drittplatzierte Alexandra Capitanescu reagierte versöhnlich und betonte, es sei "nicht normal, ein ganzes Land für die Entscheidung von sieben Personen verantwortlich zu machen".
Mit dem Rücktritt von Turcanu verliert Moldau ausgerechnet die zentrale Figur hinter der erfolgreichen ESC-Strategie der letzten Jahre. Ob der ambitionierte Vorentscheid und die klare europäische Ausrichtung des Projekts fortgeführt werden, ist nun fraglich. Für das kleine Land mit nur rund 2,5 Millionen Einwohnern hat der ESC eine große gesellschaftliche Bedeutung.