Dieser Abend im Juni endete für Daniel S. mit viel Frust und einem leeren Magen. Der Wiener bestellte bei einem Lieferdienst eine Mahlzeit für zwei Personen aus einem orientalischen Lokal. Angekommen ist das Essen nach seinen Angaben nie.
"Es war ungefähr 20 Uhr, an einem Samstag", sagt der 35-Jährige zu "Heute". Weil seine Gegensprechanlage nicht funktionierte, wartete er vor dem Hauseingang auf den Fahrer. Vergeblich.
"Es ist absurd, angeblich hat der Lieferant versucht zu läuten, aber das hätte ich sehen müssen – ich stand ja vor dem Eingang."
Für den 35-Jährigen wurde der Fall immer rätselhafter. Zunächst habe der Lieferdienst behauptet, der Fahrer habe geklingelt. Später habe es geheißen, das Essen sei vor der Haustüre abgestellt worden.
"In einer anderen Erklärung hieß es, er hätte das Essen vor die Tür gelegt – auch das ist unmöglich, da hätte er an mir vorbeigehen müssen."
Der Kunde reklamierte die Lieferung sofort. Doch anstatt sein Geld zurückzubekommen, erhielt er wiederholt dieselbe Antwort: Die Bestellung sei erfolgreich zugestellt worden.
"Ich habe jetzt zehn Tage lang zig Versuche gestartet, habe mich immer wieder beschwert. Aber wiederholt meldete man mir, dass sie nichts erstatten können, ich hätte ja mein Essen bekommen."
In einer E-Mail kündigte er schließlich weitere Schritte an. Er erklärte, den Vorfall bei der Landespolizeidirektion Wien als mutmaßlichen Betrugsfall angezeigt zu haben. Nach seinen Angaben legte er dabei Kamerabilder, Chatverläufe, E-Mails und Zeugen als Beweismittel vor. Außerdem kündigte er ein Mahnschreiben und notfalls ein gerichtliches Mahnverfahren an.
Kurz nach der Betrugsanzeige änderte sich die Situation. "Heute" fragte beim Lieferdienst an: "Vorweg möchten wir betonen, dass es sich bei Beschwerden wie dieser um Einzelfälle handelt." Die Rückerstattung sei bereits veranlasst worden, zusätzlich habe man dem Kunden Gutscheincodes als Entschuldigung geschickt.
Die holprige Kommunikation entspreche "nicht unserem Qualitätsanspruch", erklärt das Unternehmen weiter. Grund dafür sei "ein internes Missverständnis bzw. sich überlappende Kommunikationswege" gewesen. Die internen Abläufe seien inzwischen nachgeschärft und optimiert worden.
Daniel S. steht weiterhin zu seiner Anzeige: "Ich mache das nicht für das Geld, es geht ums Prinzip. So können die nicht mit Kunden umgehen."