Mit 558 Ja-Stimmen hat das EU-Parlament am Dienstag in Straßburg eine wegweisende Verordnung verabschiedet. Was bisher ein Flickenteppich aus nationalen Tierschutzvorgaben war, wird nun zu einem europaweiten Standard.
Im Zentrum steht eine obligatorische Mikrochip-Kennzeichnung für alle Hunde und Katzen - auch für Tiere in Privatbesitz. Die passiven Chips, die Tierärzte meist im Nacken unter die Haut implantieren, enthalten eine eindeutige 15-stellige Identifikationsnummer.
Wie heise.de berichtet, reagiert die EU damit auf die Tatsache, dass rund 44 Prozent der EU-Bürger ein Haustier halten. Der Markt für Hunde und Katzen umfasst jährlich rund 1,3 Milliarden Euro.
Mit den neuen Regeln will die EU den illegalen Handel eindämmen, der oft über anonyme Online-Plattformen läuft. Laut EU-Kommission kaufen 60 Prozent der Besitzer ihre Tiere im Internet. Durch die Chip-Pflicht soll es künftig schwieriger werden, illegal gehaltene oder in die EU gebrachte Tiere weiterzuverkaufen.
Die Daten werden in nationalen Datenbanken gespeichert, die EU-weit miteinander vernetzt sind. Läuft etwa ein Hund im Urlaub davon, kann auch in einem Tierheim im Ausland ermittelt werden, wohin er gehört.
Für Händler und Züchter gelten die neuen Regeln bereits nach vier Jahren. Private Halter haben deutlich mehr Zeit: Die Chip-Pflicht für Hunde greift erst zehn Jahre nach Inkrafttreten, für Katzen sogar erst nach 15 Jahren. Bauernhofkatzen sind von der Regelung ausgenommen.
Zusätzlich will die EU verhindern, dass Hunde und Katzen mit "extremen Merkmalen" gezüchtet werden, wenn ein hohes Risiko für Leid besteht. Stark gezüchtete Hunde mit extrem flachen Nasen haben etwa oft Atemnot. Genaue Definitionen soll die EU-Kommission bis Juli 2030 festlegen.