Hinter den Kulissen der EU laufen derzeit Vorbereitungen für mögliche heikle Gespräche: In Brüssel sollen in den kommenden Wochen Treffen mit Vertretern der radikalislamischen Taliban stattfinden. Dabei geht es um das Thema Abschiebungen nach Afghanistan. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf diplomatische Kreise.
Laut dem Bericht soll die Delegation der Taliban aus einem "technischen" Team bestehen. Der geplante Besuch werde von der EU-Kommission gemeinsam mit mehreren Mitgliedsstaaten organisiert. Hintergrund sind bereits erfolgte Reisen europäischer Vertreter nach Afghanistan. Dort wurden erste Gespräche geführt, um Möglichkeiten für Rückführungen von Afghaninnen und Afghanen aus der EU auszuloten.
Im Fokus der aktuellen Vorbereitungen stehen nun konkrete Fragen rund um eine mögliche Umsetzung. Europäische Vertreter sammelten "Informationen über Flüge, über die Kapazität des Flughafens in Kabul, sie sprechen mit den Taliban darüber, was mit den zurückgeschickten Personen passieren würde", berichtete die AFP. Eine offizielle Einladung an die Taliban-Behörden durch die EU-Kommission gibt es demnach bislang nicht.
Die Pläne stoßen allerdings auf deutliche Kritik. Menschenrechtsorganisationen warnen vor der Lage in Afghanistan, das sich ihrer Einschätzung nach weiterhin in einer schweren humanitären Krise befindet. Diese werde durch anhaltende Dürre sowie massive Kürzungen internationaler Hilfsgelder zusätzlich verschärft. Zudem haben die Taliban die Rechte von Frauen massiv eingeschränkt. Die Europäische Union erkennt die Taliban-Regierung außerdem nicht offiziell an.