Es ist die nächste Wahl im Superwahljahr 2024: Mehr als sechs Millionen Österreicher wählen am Sonntag ein neues EU-Parlament – ein letzter, aber umso wichtigerer Test für die Nationalratswahl im Herbst. Da wie dort werden der regierenden ÖVP und ihrem grünen Juniorpartner herbe Verluste prognostiziert.
Die ersten der bundesweit 9.856 Wahllokale haben um Punkt sechs Uhr geöffnet, die meisten dann um 7 oder 8 Uhr. Wahlschluss ist in ganz Österreich spätestens um 17 Uhr, da endet der Urnengang in Wien.
Zum insgesamt siebten Mal wählt Österreich am Sonntag seine Abgeordneten für das EU-Parlament. Künftig dürfen wir 20 Mandatare nach Brüssel entsenden. Besonders spannend wird es diesmal, weil nur wenige Monate später der Nationalrat neu gewählt wird.
Was du zur EU-Wahl alles wissen musst:
Mit Stichtag 16. Mai betrug die Zahl der Wahlberechtigen 6.372.177 Personen. 45.756 davon haben ihren Wohnsitz im Ausland.
Insgesamt kandidieren sieben Parteien. ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne und Neos sind bereits im EU-Parlament vertreten, die KPÖ und die Liste DNA wollen ebenfalls rein.
Seit Wochen liegt die FPÖ in allen Umfragen auf Platz eins und gewann laut "Buzzvalue" auch den Social-Media-Wahlkampf eindeutig. Knapp werden dürfte es heute Abend beim Kampf um den zweiten Platz zwischen SPÖ und ÖVP, zuletzt gab es ein regelrechtes Kopf-an-Kopfrennen. Die Neos dürften – auf Kosten der Grünen – dazugewinnen. Ob die Grünen Vierte bleiben, wird wohl erst um 23.00 Uhr endgültig geklärt sein (siehe unten).
Laut "Politico" kommen Europas Volksparteien auf 173 Sitze (bisher 178), die Sozialdemokraten auf 143 (bisher 140), Giorgia Melonis Rechtskonservative auf 76 (bisher 68), die Liberalen Renew Europe auf 75 (bisher 102), die Rechte ID von Marine Le Pen und FPÖ auf 67 (bisher 49), die Grünen auf 41 (bisher 72), die Linke auf 32 (bisher 37).
Eine entscheidende Rolle für das Ergebnis spielt, wie sehr die Parteien ihre Wähler mobilisieren können. Das gilt vor allem für die FPÖ, deren Anhänger als besonders EU-kritisch gelten. Ob die Freiheitlichen tatsächlich in Richtung 30 Prozent durchmarschieren, entscheidet sich am Land. In den großen Städten tun sich die Blauen traditionell schwerer.
Fix ist: Im künftigen EU-Parlament werden nicht mehr 705, sondern 720 Abgeordnete sitzen. Auch Österreich profitiert von der Aufstockung. Statt 19 stellen wir künftig 20 Mandatare.
Für das Aufregerthema im Wahlkampf sorgte der lockere Umgang der grünen Spitzenkandidatin Lena Schilling mit der Wahrheit. Wie sehr dieses Thema dominierend war, zeigt die Medienpräsenz der Kandidaten im Mai: Schilling verzeichnete mit 645 Beiträgen den Topwert. Abgeschlagen Zweiter: FPÖ-Kandidat Harald Vilimsky mit 199 Artikeln.
Spannend: Das Ergebnis wird erst um 23 Uhr verkündet, weil das letzte Wahllokal in der EU erst um 23 Uhr schließt (in Italien), dürfen davor keine Ergebnisse veröffentlicht werden. Auch Hochrechnungen gibt es nicht. Um 17 Uhr veröffentlichen ORF, Puls 24 und APA eine Trendprognose. Die kommt von "Heute"-Meinungsforscher Peter Hajek, der Arge Wahlen und Sora-Nachfolger Foresight. Wir begleiten dich auf Heute.at den ganzen Tag über aktuell.
Zu feiern wird es unterschiedlich viel geben, trotzdem planen alle Parteien Wahlpartys. Die ÖVP bleibt vor ihrer Parteizentrale in der Lichtenfelsgasse beim Wiener Rathaus. Wenige Meter entfernt treffen sich die Anhänger der FPÖ im Weinlokal Vino Wien. Die SPÖ hat sich als Partylocation diesmal den Marx-Palast im dritten Wiener Bezirk ausgesucht. Die Grünen feiern im Kabarett- und Konzert-Theater Metropol in Wien-Hernals, die Neos in der Nähe der "Neosphäre" am Heumarkt. Die KPÖ hat das Café Siebenstern gewählt, das Lokal ihres Spitzenkandidaten. Und die Liste DNA trifft sich im 25hours Hotel in Neubau.