Klimaschutz

Europas erste klimaneutrale Kaffeerösterei 

In Helmut Sachers Kaffeeröster in Oeynhausen/Traiskirchen wird Kaffee klimaneutral geröstet, eine Pionierleistung in Europa.

Sabina Maier
Erste Co2 neutrale Kaffeerösterei
Erste Co2 neutrale Kaffeerösterei
S.Maier

Die ganze Lieferkette dieses Kaffees kommt dem Klimaschutz zugute, er wird zu 100 Prozent fair gehandelt, dafür steht die GmbH „EZA Fairer Handel“.

Über 4.000 Kleinbauern, fast die Hälfte davon sind Frauen, ernten die Kaffeebohnen von Hand auf Anbauflächen zwischen einem halben und drei Hektar in Kasese, Uganda. Dafür bekommen sie den Mindestpreis von 1,80 US-Dollar plus 0,20 US-Dollar Nachhaltigkeitsprämie, also zwei US-Dollar pro Pfund. Der Weltmarktpreis für Kaffee schwankt sehr, im letzten Jahr hatte er sich verdoppelt, zurzeit sind es 1,50 US-Dollar pro Pfund.

Rohkaffee aus Kasese, Uganda
Rohkaffee aus Kasese, Uganda
S.Maier

Die Folgen des Klimawandels für die FAIRTRADE-Kooperative Bukonzo Organic Farmers Cooperative Union (BOCU) sind verheerend. Pflanzen, die auf über 3000 Meter wachsen, reagieren besonders empfindlich auf unvorhersehbares, wechselhaftes Wetter. Die Regenzeiten und trockenen Perioden am Äquator sind nicht mehr so absehbar wie früher. Durch Überschwemmungen und Dürre verschwindet fast die Hälfte der Anbaufläche. Bohnen vertrocknen am Strauch oder leiden an Krankheiten wie „Kaffeerost“, ein Pilzbefall. Pestizide werden nicht verwendet, weil Ziegen und Schafe an den Sträuchern knabbern, künstliche Dünger natürlich auch nicht, da sie am meisten Kohlenstoffdioxid verbrauchen. Resistentere Sorten und geschultes Fachpersonal wären eine große Hilfe.

Holzsparöfen für Küchen in Uganda mit Klimaprämien gekauft

Die EZA setzt zur Unterstützung vor Ort auf Mitbestimmung und Demokratie. Mit den Klimaprämien wurden 3.000  energieeffizientere Öfen gekauft; sie verbrauchen um die Hälfte weniger Holz und sind mit geringerer Rauchbelastung besser für die Gesundheit der Familienmitglieder, erklärt uns Josinta Kabugho (General Manager BOCU Kasese, Uganda) bei ihrem Besuch in der Rösterei. Jährlich 9000 Tonnen Kohlenstoffdioxid werden damit eingespart und die Asche wird als organisches Düngemittel verwendet.

Mikroben fressen "schlechte Luft"

Nachhaltigkeit ist auch in der Rösterei ein großes Thema. Der grundgereinigte Rohkaffee wird mit dem Schiff transportiert. Nach einer weiterer Reinigung werden die Kaffeebohnen gemischt und geröstet. So ein Langzeittrommelröstvorgang dauert 17 Minuten, pro Stunde werden also 450 Kilo Kaffee geröstet, dabei wird 30% weniger Energie verbraucht als bei herkömmlichen Methoden. Mikroben fressen die "schlechte Luft", am Ende kommt nur noch Wasserdampf aus dem Kamin raus statt stinkendem Rauch, sehr zur Freude der Golfspieler nebenan.

Drei Jahre hat es gedauert die Abluftanlage für diese Rösttechnik zu entwickeln, ursprünglich aus der Lackindustrie stammend, ist sie nun vor zwei Monaten endlich fertig geworden, die erste klimaneutrale Kaffeerösterei in Europa.