Ex-Fußballprofi Jakob Jantscher schlägt Alarm: Sein Sohn Finn wurde im vergangenen Schuljahr noch von einer Schulassistenz unterstützt – heuer bekommt er keine einzige Stunde mehr. Der 37-Jährige kritisiert nun öffentlich die neuen Regeln in der Steiermark.
"Mein Sohn Finn lebt mit einem sehr seltenen Gendefekt, der seinen Alltag vor besondere Herausforderungen stellt. Im vergangenen Schuljahr wurde er unterstützt, in diesem Jahr wurde ihm keine einzige Stunde Schulassistenz zugesprochen", schreibt Jantscher auf Instagram.
Seit 30. April gilt in der Steiermark eine Novelle des Schulassistenzgesetzes, mit der die Anwendungsbereiche präzisiert wurden. Jantscher habe lange überlegt, mit dem Fall an die Öffentlichkeit zu gehen: "Ich mag es normalerweise nicht, solche Dinge nach außen zu tragen, aber es wird seitens der Regierung ständig kommuniziert, wie gut alles läuft – das stimmt so einfach nicht."
Aufgrund des Gendefekts habe sein Sohn eine sprachliche Spätentwicklung. Mit der bisherigen Schulassistenz habe die Teilnahme am Unterricht gut funktioniert. "Er hat super Fortschritte gemacht."
Jantscher sorgt sich auch um andere betroffene Kinder. "Jeder sollte die Berechtigung haben, Unterstützung zu bekommen, vor allem, wenn man sieht, wie sehr die Kleinen profitieren – so funktioniert richtige Inklusion." Zudem kritisiert er fehlende Alternativen nach einer Ablehnung: "Stunden werden abgelehnt, aber man bekommt dann keine Alternativen angeboten, viele Familien geben dann auf."
Aus dem Büro des zuständigen Landesrates heißt es gegenüber der "Kleinen Zeitung", im konkreten Fall handle es sich um pädagogischen Unterstützungsbedarf. Das Schulassistenzgesetz komme daher nicht zur Anwendung. Eltern müssten stattdessen sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF) beantragen. Jeder Antrag werde neu geprüft, eine frühere Zusage bedeute keine automatische Verlängerung.
Landesrat Stefan Hermann sieht für die nötigen personellen Ressourcen den Bund in der Pflicht: "Für diese pädagogischen Aufgaben sind personelle Ressourcen im Schulbereich notwendig, für die der Bund zuständig ist. Genau deshalb haben wir mehrfach, erst gestern erneut im Rahmen der Bildungsreferentenkonferenz, eine ausreichende Ausstattung der Schulen eingefordert."
Dem Schulstandort seien bereits zusätzliche Ressourcen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zugeteilt worden. Insgesamt stellt das Land dafür rund 1,5 Millionen Euro bereit.
Jantscher warnt dennoch vor einem Rückschritt bei der Inklusion: "Wenn wir so anfangen, wäre das ein massiver Rückschritt. Es ist schade, dass man darüber öffentlich diskutieren muss, dass es für Kinder mit Hilfsbedarf Möglichkeiten der Teilhabe geben muss."