Was als Übergabe von Impfpässen begann, endete vor dem Bezirksgericht Fürstenfeld. Dort mussten sich die Ex-Frau und die neue Lebensgefährtin eines Mannes verantworten, nachdem ein Streit zwischen den beiden handgreiflich geworden sein soll, das berichtet die Kleine Zeitung.
Der Ex-Frau wird vorgeworfen, ihre Kontrahentin gegen das Schienbein getreten zu haben. Diese soll daraufhin über eine Stiege gestürzt sein. Außerdem steht ein Stoß gegen den Oberkörper im Raum.
Auf die Frage der Richterin, wo sich der gemeinsame Ex-Mann während des Vorfalls befunden habe, fällt die Antwort der beiden Frauen knapp aus: "Auf dem Dachboden."
Gleich zu Beginn der Verhandlung machen die beiden Frauen deutlich, wie wenig sie voneinander halten. Sie setzen sich mit großem Abstand in die erste Reihe und vermeiden jeden Blickkontakt.
Für Verwunderung sorgt dann ein medizinisches Detail. Der Anwalt der neuen Lebensgefährtin sagt laut Kleine Zeitung: "Ich möchte betonen, dass meine Mandantin bei dem Vorfall keine Schuhe getragen hat. Ein Fuß war auch geschient, weil meine Mandantin unter Fersensporn leidet."
Zum Beleg legt er Fotos der Verletzungen vor. Die Richterin betrachtet die Bilder skeptisch und fragt: "Was ist das?" Die Antwort: "Fotos der blauen Flecken." Die Richterin hält fest: "Die Fotos sind sehr vergrößert."
Die Verteidigerin der Ex-Frau widerspricht den Vorwürfen. Ihre Mandantin fühle sich nicht schuldig, die Schilderungen des Vorfalls seien widersprüchlich.
Die Richterin bringt die Situation auf den Punkt: "Beides kann nicht stimmen, sonst würden wir heute nicht hier sitzen." Sollte keine Einigung möglich sein, müsse sie das minderjährige Kind laden, das sich damals im Haus befunden habe. "Und das wollen wir doch alle vermeiden."
Schließlich schlägt die Richterin eine Diversion vor. Voraussetzung dafür: Beide Frauen entschuldigen sich gegenseitig und zahlen jeweils 100 Euro Pauschalkosten.
Während die Ex-Frau sofort zustimmt und ihre Hand reicht, lehnt die neue Lebensgefährtin zunächst ab. "Jetzt tut es ihr leid, bis zum nächsten Mal. Es gab ja in der Zwischenzeit schon wieder Vorfälle, das hört nicht auf", erklärt sie.
Erst nach einer kurzen Unterbrechung und einem Vier-Augen-Gespräch mit ihrem Verteidiger kommt es schließlich doch zum Handschlag und zur gegenseitigen Entschuldigung.