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Experte: "Darf heuer kein Sitzenbleiben geben"

Glattauer gibt Noten. Heute: So geht "offene Schule" auf Österreichisch. Wenn einer "viel bewegen will". Und: Nägel mit Köpfen für den Ernstfall!
Niki Glattauer
19.12.2021, 22:37

So geht "offene Schule" auf Österreichisch

Freuen wir uns noch über vier Tage Schule, denn wetten, dass sie noch im Jänner wieder geschlossen sein wird? Dafür braucht es keine Erlässe, dafür sorgen die bestehenden Omikron-Maßnahmen. Zwei, drei Fälle in einer Schule – und sie ist dank der (übertriebenen?) K1- Quarantäne-Bestimmungen ruckizucki außer Betrieb. Selbst wenn dann eine "Omikron-Schule" auf behördliche Anweisung auf dem Papier "offen" bleibt (wie aktuell drei in Wien), sind es die Klassen darin halt nicht, zumal ja auch der halbe Lehrkörper in Quarantäne gehen muss. So geht "offene Schule" auf Österreichisch …

Da bemühe ich Herrn Ambros mit seiner Zeile "Wia heat des auf, wia wird des weidagehn?" und appelliere ans Christkind: Bitte mach, dass es nicht so weitergeht! Unsere Kinder haben ein Recht auf normalen Schulbetrieb: Wer krank ist, bleibt zu Hause, wer nicht, geht hin. Anders gesagt: Hören wir auf, Schüler als Schutzengerl für Ungeimpfte zu betrachten!

„Note: (Noch) nicht genügend“

Wenn einer "wahnsinnig viel bewegen will" …

In seinem Antrittsinterview mit "Heute" gefragt, worauf er einmal stolz sein wolle, antwortete Martin Polaschek: "Da kam ein Mann mit langen Haaren, aber eigentlich hat er wahnsinnig viel bewegt." Der "Presse" sagte er am selben Tag: "Wir werden uns ab Jänner möglicherweise noch einmal anschauen, ob wir je nach Infektionslage die Maskenpflicht etwas relativieren können und ob wir wieder mehr in Richtung Präsenzpflicht kommen können."

Nun, "möglicherweise einmal anschauen" ist noch nicht "wahnsinnig viel bewegen" ;-), aber der Blick geht in die richtige Richtung, nämlich zur Schule normal. Ein Vertreter der "Agenda Austria" meinte zum Schul-Wirrwarr der letzten Wochen Im "Kurier": "Es wäre vermutlich sinnvoller gewesen, die Schulen entweder kurz und ganz zu schließen oder konsequent alle Schüler in die Schule zu holen." Mir gefällt der Oder-Teil des Satzes besser. Vielleicht beginnt der Bildungsminister beim Bewegen ja damit:

„Note: Nachprüfung“

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer war 25 Jahre Lehrer und Schuldirektor in Wien. Er hat bisher 13 Bücher veröffentlicht, alle zum Thema Schule wurden Bestseller. Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel findest Du hier.

Macht jetzt Nägel mit Köpfen für den Ernstfall!

Fraglos wäre der Bildungsminister gut beraten, für den Worst Case eines Schul-Lockdowns jetzt schon Nägel mit Köpfen vorzubereiten.

1) Fernunterricht für alle (!) Lehrerinnen und Schüler verpflichtend nach Stundenplan.

2) Dann darf es an den Schulen auch keinen Unterricht geben, denn Lehrerinnen können sich nicht zweiteilen.

3) Selbstverständlich müssen die Schüler ihre Gratislaptops und -tablets nach Hause nehmen dürfen, in zig Schulen ist das groteskerweise verboten.

4)Ebenso muss es Lehrerinnen ermöglicht werden, Schüler, die digital "wegtauchen", zu Hause aufzusuchen und ihnen dort notfalls "nachzuhelfen".

5) Speziell muss das für die Kinder aus "Deutsch-Klassen" gelten, denn die Bildungsschere darf nicht weiter aufgehen.

„Note: Schauma“

Und 6) Es darf in diesem Schuljahr kein Sitzenbleiben geben, weil ehrlich, die Kinder sind gestraft genug

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