Wien

Experte kritisiert Politik im ORF-Radio – Kündigung

Ein Assistenzprofessor äußerte sich kritisch gegenüber der Stadtregierung im ORF-Radio. Es folgte eine Distanzierung der Uni und die Kündigung.
Leo Stempfl
11.07.2023, 14:40
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"Wer braucht Wissenschaft, wenn er Meinung hat, und wer anderer Meinung ist, den hau ma raus." Diesen Schluss zieht Ernest Pichlbauer, Gesundheitsökonom und Assistenzprofessor für evidenzbasierte Medizin an der Sigmund Freud Universität in Wien. Zumindest bis 15. Oktober ist er das noch. Denn wie er aus einem auf den 7. Juli datiertem Schreiben erfuhr, wurde er nach sieben Jahren einfach so gekündigt.

7. Juli, das war zufälligerweise genau jener Tag, an welchem sich der Wissenschaftler im ORF-Radio "Ö1" zum Ärztemangel und den Aufnahmetests zum Medizinstudium äußerte. Anlass war, das Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) insbesondere eine Verdopplung der Studienplätze forderte.

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"Der Stadtrat wünscht sich mehr Plätze weil es gut klingt und günstigere Arbeitskräfte bringt, aber wir bilden schon viel zu viele Ärzte aus", entgegnete Pichlbauer im "Ö1-Morgenjournal" dem SPÖ-Vorstoß. Wir hätten keinen Ärztemangel, sondern einen Mangel an Gesundheit, so sein Fazit. Auch "Heute" berichtete.

Kündigung am selben Tag

Die Uni distanzierte sich nur wenige Stunden später öffentlich scharf von seinen Aussagen: "Diese Meinung wurde nicht mit der Universitätsleitung abgestimmt" und spiegele lediglich Pichlbauers persönliche Ansichten wider. "Die SFU distanziert sich klar von Dr. Pichlbauers Standpunkt und betont stattdessen ihre engagierte und enge Zusammenarbeit mit dem Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker." Noch am selben Tag folgte das Kündigungsschreiben.

Dieses will der Noch-Assistenzprofessor am Arbeits- und Sozialgericht per Klage anfechten. Er mutmaßt einen klaren Zusammenhang zwischen seiner Meinungsäußerung und der Kündigung. Die SFU erklärte gegenüber "Ö1" hingegen, dass man sich im Zuge der Umstrukturierung von mehreren Personen trennen musste.

Bekanntlich wurde der Privatuni die Zulassung zum Medizin-Master entzogen, eine Kooperation mit dem Wiener Gesundheitsverbund soll den Lehrgang retten. Pichlbauer habe allerdings nur vier Tage vor der Kündigung die Termine für seine Lehrveranstaltung im Wintersemester bekommen, merkte dieser im "Mittagsjournal" an.

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