Schon seit zwei Wochen liegt Buckelwal Timmy tot wenige Meter vor der Küste Dänemarks im seichten Wasser. In den vergangenen Tagen hat er sich in der prallen Sonne schon beinahe derart stark aufgebläht, dass sein Kadaver mehr an einen Kugelfisch erinnert. Und die Sorge ist nicht unberechtigt: Timmy könnte bald explodieren.
"Dabei fliegen dann kiloschwere Fleischbrocken durch die Luft, die können dich töten", warnt der dänische Biologe Peter Teglberg Madsen im "Spiegel". Er soll bei der Autopsie durch die Umweltbehörde teilnehmen, doch das Unterfangen ist eben extrem heikel. Herausfinden wollen sie dabei etwa, wie dick seine Fettschicht ist und was sich im Magen befindet. Letzten Winter verhungerte beispielsweise ein Pottwal, weil sein Magen mit 20 Kilo Fischernetzen gefüllt war.
Diese Autopsie ist aber eben kein unheikles Unterfangen. "Jeder, der sich dem Wal nähert, kann sich mit Krankheiten, Viren oder Bakterien anstecken", so Madsen. Die anstrengende Handarbeit ist nur mit umfangreicher Schutzausrüstung möglich. "Der Gestank ist überwältigend, aber daran gewöhnt man sich."
Das größte Problem ist ein anderes: "Die Gefahr einer Explosion besteht, dabei fliegen dann kiloschwere Fleischbrocken durch die Luft, die können dich töten." Deshalb werde der Wal erst mit einem scharfen Sektionsmesser an einem langen Stiel entgast. "Das ist Übungssache, wie eine Bombe zu entschärfen. Wir haben damit Erfahrung."
Danach schneide man mit einem "Wal-Spatel" durch die zentimeterdicke Blubberschicht und trennen das Fleisch von den Knochen. Tierärzte untersuchen die Organe und entnehmen Proben, untersuchen diese im Labor dann auf Krankheiten. "Am Ende steht das Herz, das relativ tief im Körper verborgen ist und bei diesem Wal etwa 50 Kilogramm wiegen wird." Mit einer DNA-Analyse kann dann sogar herausgefunden werden, zu welcher Buckelwal-Population im Atlantik "Timmy" einst gehörte.
Schwere Vorwürfe äußert der Biologe zur Rettungsaktion. "Bei seiner Freilassung vom Transportschiff wurde ein offensichtlich kranker und geschwächter Wal ins Meer geworfen, der sich vermutlich im flachen Wasser ausruhen wollte", sagt Madsen im "Spiegel". Buckelwale sind hervorragende Navigatoren und haben auch im Flachen keine Probleme.
"Wenn ein Wal mehrmals strandet, ist er in der Regel schwer krank. Er hatte sich in einem Netz verfangen, wahrscheinlich konnte er also nichts fressen und war geschwächt. Der Wal war dem Tod geweiht. Was dann geschah, da möchte ich ehrlich sein, war Tierquälerei. Es war unverantwortlich."
Madsen habe deshalb schon früh dazu geraten, den Wal in Ruhe zu lassen – und dafür habe er dann Hassmails bekommen. "Ich habe den Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern nicht verstanden, der sagte, er wolle dem Wal eine Chance geben. Der Wal hatte nie eine Chance." In Dänemark höre man mehr auf Experten, aber die Bevölkerung hat dort auch mehr Erfahrung mit Wal-Strandungen, die es jedes Jahr gibt.
Sein Appell: "Statt einander Vorwürfe zu machen, sollten wir etwas gegen die Fischernetze in der Ostsee unternehmen. Jeder, den der Tod des Wals betroffen gemacht hat, kann sich engagieren. Man kann Geld an Umweltschutzorganisationen spenden, ehrenamtlich oder politisch tätig werden, um sogenannte Geisternetze zu entfernen. Das wäre ein positives Fazit dieser Geschichte."
Schon jetzt zeigen sich positive Folgen des Naturschutzes. "Wir hatten in den Sechzigerjahren nur noch ein paar Tausend Buckelwale. Mit dem Verbot des Walfangs ist die Population auf über 150.000 Exemplare angestiegen. Das macht Hoffnung."