Bande jagte Bankomat in Luft, wurde von Cobra verhaftet

Ein Video (unten) zeigt die Sprengstoffsprengung.
Ein Video (unten) zeigt die Sprengstoffsprengung.Screenshot/ Video
Schlag gegen eine osteuropäische Bankomatsprengerbande: Um 3 Uhr war im steirischen Fernitz ein Geldautomat gesprengt worden, es gab 6 Festnahmen.

Seit mittlerweile rund zehn Jahren beschäftigen Bankomatbanden die niederösterreichische Polizei: Kaum ist eine Bande geschnappt, taucht die nächste auf. Eine rumänische Bande hatte das Landeskirminalamt NÖ jedoch seit längerer Zeit auf der Liste, die Fahnder warteten nur darauf, dass die Täter endlich zuschlagen.

Sprengung in Fernitz

Um 3 Uhr früh wurde am heutigen Donnerstag in Fernitz (Graz-Umgebung) ein Geldautomat in die Luft gejagt, die Polizei samt Cobra war schnell zur Stelle.

Im Rahmen einer Pressekonferenz in St. Pölten um 14.30 Uhr gab die nö. Polizei Details bekannt: LKA-Chef Omar Haijawi-Pirchner, Landespolizeichef Franz Popp und die Cobra sprachen über den spektakulären Fang. "Eine hochgradig organisierte Kriminalität", sagten Franz Popp und Omar Haijawi-Pirchner nach den Festnahmen. Die sechs Verdächtigen (36 bis 56) sind vorbestrafte Rumänen.

Ermittlungen seit November 2019

Die Chronologie: Seit November 2019 liefen die Ermittlungen, die rumänische Tätergruppe hat in den letzten Monaten rund 70 Bankomaten in ganz Österreich ausspioniert. Was die Rumänen aber nicht wussten: Die Polizei hatte die Bandes stets am Radar. Am 18.Juni 2020 reisten zwei Täter in Österreich ein, bezogen bei Graz Quartier.

Dort wartete das Duo auf die Einreise der vier Komplizen. Am Mittwoch verließen die Verdächtigen gegen 22 Uhr mit Rucksäcken ihre Unterkunft. Gegen 1 Uhr wurde ein Auto ohne Licht im Augebiet der Muren auf einem Radweg gesichtet, gegen 3.06 Uhr nahmen Polizisten wahr, dass drei Täter am Geldautomaten in Fernitz werkten und wenige Minuten später den Bankomat in die Luft jagten.

Banknoten wertlos

Mit der Beute flüchteten die Täter wieder ins Augebiet, wurden nach rund einer Stunde von Komplizen abgeholt (mit zwei Pkw) - um 5.21 Uhr erfolgte der Zugriff der Cobra. Im Zuge der Festnahme (je drei Täter in zwei Wagen) verletzte sich ein Polizist (beim Einschlagen der Scheibe), im Wagen wurde ein weiterer Sprengsatz gefunden. Die total verfärbten und somit ohnedies wertlosen Banknoten konnten großteils sichergestellt werden.

Niederösterreichs Landespolizeidirektor Franz Popp sprach im Zusammenhang mit der Bande von „hochgradig organisierter Kriminalität“. In einem der Täterfahrzeuge wurde ein Paket mit hochexplosivem Sprengstoff – vermutlich TATP (Triacetontriperoxid) – sichergestellt und vom Entschärfungsdienst gesprengt

Bankomatsprenger haben Tradition

Wie berichtet hatte es in NÖ im letzten Jahrzehnt immer wieder regelrechte "Sprengungswellen" gegeben. Alleine in den Jahren 2011 und 2012 hatten vier unterschiedliche, südosteuropäischen Banden rund 50 Geldautomaten in NÖ geknackt. Die Banden hatten unterschiedliche Varianten: Zwei Banden schnitten die Geräte auf, eine Gruppierung sprengte die Bankomaten in die Luft und eine Bande riss die Geräte aus der Verankerung. Der Großteil der Kriminellen wurde gefasst und verurteilt.

2018 kam dann die nächste Welle - mehr dazu lesen Sie hier und hier. Unter anderem hatten Rumänen das Foyer im VAZ St. Pölten in die Luft gejagt. Ob die aktuelle Bande weitere Coups begangen hat, wird derzeit geprüft.

Drogenring flog auch auf

Übrigens: Im Rahmen der umfangreichen Ermittlungen seit Herbst 2019 war die Polizei auch auf einen Drogenring gestoßen. Neun Verdächtige wurden festgenommen. Bisher wurden 2,8 Kilo Cannabiskraut, 1,8 Kilo Cannabisharz, 50 Gramm Kokain, 12.000 Euro Bargeld und eine Gaspistole sichergestellt. Die beiden Drahtzieher des Suchtgiftrings aus dem Irak und aus Armenien sind allerdings noch flüchtig. 

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