Sarajevo hat am Freitag ordentlich unter extremer Luftverschmutzung gelitten. Laut Messungen der Schweizer Firma IQAir lag die Feinstaubbelastung bei fast 300 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – das ist um ein Vielfaches mehr, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Grenzwert vorgibt. Damit war Sarajevo weltweit die Großstadt mit der stärksten Luftverschmutzung.
Schon seit Donnerstag hängt dicker Smog über der Stadt. Am Freitag haben die Behörden die fast 400.000 Bewohner zum zweiten Mal hintereinander gewarnt: Die Feinstaubkonzentration ist gefährlich hoch. Erst am Sonntag soll sich die Luft laut Prognosen wieder bessern.
Sarajevo liegt zwischen Bergen. Gibt es weder Wind noch Regen, steht die Luft wie ein Deckel über der Stadt. Besonders im Winter, bei sogenannten Inversionswetterlagen, bleibt die kalte Luft unten und kann wegen einer wärmeren Schicht darüber nicht aufsteigen – dann entsteht oft Smog. Noch dazu heizen viele Haushalte in Sarajevo immer noch mit Holz oder Kohle, was alles noch schlimmer macht.
Gemessen wurde der besonders schädliche PM2,5-Feinstaub. Diese winzigen Partikel sind kleiner als 2,5 Mikrometer und können beim Einatmen tief in die Lunge und sogar in den Blutkreislauf gelangen. Sie können Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Lungenkrebs auslösen.
Laut EU-Umweltbehörde EEA gibt es in Bosnien besonders viele vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub im Vergleich zu anderen europäischen Ländern: 2023 wurden dort 199 vorzeitige Todesfälle pro 100.000 Einwohner gezählt.