Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht erneut die Zinsschraube an. Der Leitzins steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Es ist bereits die zweite Erhöhung in diesem Jahr.
Der Grund dafür ist die hartnäckig hohe Teuerung. Im August lag die Inflation im Euroraum bei 3,3 Prozent und damit deutlich über dem Ziel der EZB von zwei Prozent. Vor allem die hohen Energiepreise treiben die Kosten nach oben.
Mit höheren Zinsen will die Notenbank gegensteuern. Die Rechnung dahinter: Kredite werden teurer, dadurch wird weniger Geld ausgegeben und investiert. Die Nachfrage sinkt und damit soll auch der Preisdruck nachlassen.
Doch was bedeutet die Entscheidung ganz konkret für dein Geld?
Wer Geld auf einem Spar- oder Festgeldkonto liegen hat, kann sich grundsätzlich über die Zinserhöhung freuen. Steigende EZB-Zinsen sorgen meist dafür, dass Banken auch höhere Sparzinsen anbieten.
Wie viel davon tatsächlich bei den Kunden ankommt, entscheidet allerdings jede Bank selbst. Ein Vergleich der Angebote kann sich daher auszahlen.
Auch neue Anleihen werden durch höhere Marktzinsen interessanter. Anleger bekommen für neu ausgegebene Papiere in der Regel höhere Renditen.
Weniger erfreulich ist die Entwicklung für alle, die Geld ausborgen müssen. Steigende Zinsen verteuern neue Kredite. Das betrifft etwa Wohnbaukredite, Konsumkredite oder Finanzierungen von Unternehmen.
Besonders aufmerksam sollten Kreditnehmer mit variabel verzinsten Verträgen sein. Je nach Vertragsgestaltung können steigende Marktzinsen auch ihre monatliche Rate nach oben treiben.
Wer hingegen einen Kredit mit langfristig fixiertem Zinssatz abgeschlossen hat, ist von einer Zinserhöhung während dieser Fixzinsphase nicht unmittelbar betroffen.
Höhere Finanzierungskosten wirken sich auch auf Wohnungen und Häuser aus. Können sich weniger Menschen einen Kredit leisten, sinkt die Nachfrage nach Immobilien. Das kann wiederum Druck auf die Kaufpreise ausüben.
Für Kaufinteressenten entsteht damit ein zweischneidiges Bild: Immobilien könnten günstiger werden, gleichzeitig kostet die Finanzierung mehr.
Auch Aktien können unter steigenden Zinsen leiden. Einerseits werden sichere verzinste Anlagen wieder attraktiver. Andererseits müssen Unternehmen für Kredite und Investitionen mehr bezahlen.
Das kann Gewinne und Wirtschaftswachstum bremsen. Bereits gehaltene Anleihen können ebenfalls an Wert verlieren, wenn neue Papiere mit höheren Zinsen auf den Markt kommen.
Die EZB steht vor einem schwierigen Problem: Ein wesentlicher Teil der aktuellen Teuerung wird von hohen Energiepreisen verursacht. Gegen ein knappes Angebot bei Öl oder Gas können höhere Zinsen wenig ausrichten.
Sie bremsen allerdings gleichzeitig Konsum und Investitionen. Damit steigt das Risiko, dass die Wirtschaft schwächer wächst.