Kurz vor der Pause kochten beim WM-Duell zwischen Uruguay und Kap Verde die Emotionen hoch. Beim Stand von 0:1 lag Kap-Verde-Spieler Telmo Arcanjo mit einem Krampf am Boden. Ausgerechnet Gegenspieler Federico Vinas eilte zur Hilfe und versuchte, dessen Bein zu dehnen. Doch die Hilfsbereitschaft hielt nicht lange an.
Als Vinas bemerkte, dass Uruguay gerade einen gefährlichen Angriff startete, kam sein Stürmerinstinkt ins Spiel – und änderte seine Prioritäten. Der Angreifer ließ Arcanjos Bein los, sprintete Richtung Strafraum um sich am Angriff zu beteiligen. Von Fair-Play war beim Uruguayer plötzlich keine Spur mehr.
Und wie sollte es auch anders kommen: Nur wenige Sekunden später klingelte es im Tor von Kap Verde: Maxi Araujo traf in der 44. Minute zum wichtigen 1:1-Ausgleich. Vians stand nur wenige Meter daneben und jubelte mit ihm. Die Szene sorgte sofort für heftige Diskussionen.
Nach dem Spiel verteidigte Vinas sein Verhalten. "Mein Gegenspieler brauchte mich. Aber mein Team brauchte mich noch mehr", erklärte der Uruguay-Stürmer. Bei Kap Verde kam diese Begründung allerdings überhaupt nicht gut an.
Kap Verde-Coach Bubista zeigte sich nach dem Schlusspfiff verärgert. "Ich war verärgert über diese Szene", schimpfte der Teamchef. Besonders pikant: Uruguays Trainer ist Marcelo Bielsa, der seit Jahren als Verfechter des Fair-Play-Gedankens gilt. "Marcelo Bielsa lebt uns in jeder Pressekonferenz und in jedem Spiel Fair Play vor. Von ihm haben wir alle gelernt, was Fair Play bedeutet", sagte Bubista. Dass ausgerechnet ein Spieler der Trainer-Legende mit so einer Aktion auffällt, hat natürlich einen faden Beigeschmack.
Der Argentinier wurde 2019 sogar mit dem Fair-Play-Preis der FIFA ausgezeichnet. Damals trainierte Bielsa Leeds United und sorgte mit einer außergewöhnlichen Aktion für Schlagzeilen. Nachdem Leeds ein Tor erzielt hatte, obwohl ein Spieler von Aston Villa verletzt am Boden lag, ordnete Bielsa an, den Gegner im Gegenzug ohne Gegenwehr treffen zu lassen.