Was mit lockerem Austausch begann, entwickelte sich schnell zu einer tiefergehenden kreativen Verbindung. Über Monate schickten sich Scott und Seth Avett von The Avett Brothers und Mike Patton, dem legendären Frontmann von Faith No More, neue Songskizzen hin und her – ein Prozess, bei dem jede Idee eine neue Form annahm, je nachdem, durch wessen Hände sie gerade ging.
Herausgekommen ist ein Album, das genauso schwer auszusprechen wie überraschend und aufregend ist: "AVTT/PTTN".
Für die Avetts war die Zusammenarbeit mit Patton mehr als nur eine neue Kooperation – es war ein Moment, in dem sich der Kreis schloss.
"Mike ist Teil unserer DNA, wie das Gewebe unserer Jugend", sagt Scott. "Wir haben ihn buchstäblich studiert. Heute ist er ein lieber Freund, aber als wir jünger waren, habe ich ihn nachgeahmt."
Patton beschreibt seine Rolle im Projekt mit typisch ironischem Understatement: "Meine besondere Herausforderung dabei war es, ein entfernter Cousin zu werden. Ein Bruder, der verwaist war. Vielleicht haben sie ihn im Hühnerstall oder so untergebracht. Jahre später haben sie ihn dann herausgeholt."
Faith No More ("Easy", "Midlife Crisis", "Epic") pausieren derzeit auf unbestimmte Zeit, was vor allem an Pattons gesundheitlicher Situation liegt. Schon 2022 gestand er im Rolling Stone, dass ihn eine Angststörung stark geprägt habe. Während er aktuell offenbar kein Interesse an weiteren Projekten mit Faith No More hat, ist Patton umso offener für überraschende Kooperationen – wie etwa AVTT/PTTN.
Das Album eröffnet mit der sanften Akustikgitarre von "Dark Night of My Soul", wo Pattons markante Stimme mit den harmonischen Vocals der Avetts verschmilzt. Der dreistimmige Klangteppich wirkt wie ein spirituelles Zentrum der Platte.
Ganz anders klingen Tracks wie "The Ox Driver’s Song", der mit schmutzigem Folk-Stomp daherkommt – und "Heaven’s Breath", ein druckvoller, fuzziger Mix, der Pattons vokale Bandbreite voll zur Geltung bringt. Hört selbst!
Besonders reizvoll: Die Songs entstanden in einer kreativen Staffelübergabe – Scott skizzierte, Patton formte um, Seth interpretierte neu. Eine Arbeitsweise, die dem Album seinen unverwechselbaren Charakter verleiht und die Stärken aller drei Musiker vereint.
Das Ergebnis ist weit mehr als eine einmalige Kooperation. AVTT/PTTN ist eine künstlerische Kollision von Welten – Folk-Eleganz trifft Avant-Rock, Intimität trifft Exzentrik.
Scott, Seth und Mike zeigen sich hier mutig, spielerisch und grenzenlos experimentierfreudig. Das Album schafft einen neuen Raum, den nur diese drei gemeinsam betreten können – und in dem sie hörbar Spaß haben.