"Maddie"-Verdächtiger sammelte Perücken und Kleider

Scotland Yard und das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) ermitteln im Fall Maddie McCann. Dabei wurden Fotos des Wohnmobiles des 43-jährigen Verdächtigen veröffentlicht.
Scotland Yard und das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) ermitteln im Fall Maddie McCann. Dabei wurden Fotos des Wohnmobiles des 43-jährigen Verdächtigen veröffentlicht.apa/Picturedesk
Der 43-jährige Deutsche, der im Fall der 2007 verschwundenen "Maddie" als neuer Verdächtiger gilt, ist ein mehrfach vorbestrafter Sexualstraftäter. Eine ehemalige spanische Nachbarin erzählt von dem Mann.

Im Fall der verschwundenen Maddie McCann ist ein neuer Verdächtiger aufgetaucht: ein mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestrafter Deutscher, der derzeit in anderer Sache eine längere Haftstrafe verbüßt.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes BKA lebte der Deutsche zwischen 1995 und 2007 regelmässig an der Algarve – unter anderem in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. In Praia da Luz soll der Beschuldigte verschiedenen Gelegenheitsjobs nachgegangen sein. Doch laut BKA gibt es Hinweise darauf, dass er seinen Lebensunterhalt auch durch Straftaten wie Einbrüche in Hotelanlagen und Ferienwohnungen und Drogenhandel bestritt.

Haus beim Strand, an dem Maddie spielte

Das Haus, in dem der Mann in dieser Zeit wohnte, war ein heruntergekommenes Bauernhaus auf einem abgelegenen Hügel. Von hier führt ein Pfad zum Strand – jenem Strand, an dem Maddies Familie 2007 gespielt hatte. Der Verdächtige zog allerdings ein Jahr vor Maddies Verschwinden aus dem Haus aus – doch die Polizei nimmt an, dass er weiterhin in der Region lebte.

Eine ehemalige Nachbarin des Verdächtigen wurde letztes Jahr von Scotland Yard zu dem Deutschen befragt. Dass es dabei um den Vermisstenfall "Maddie" ging, sei ihr damals aber nicht klar gewesen, sagt sie.

Der britischen Presse erzählt die Frau nun: Der verurteilte Pädophile sei Mitte der 1990er nach Portugal gekommen und habe das Haus neben ihr von einem Briten gemietet. "Er war immer etwas wütend, raste immer die Straße hoch und runter", so die Nachbarin. 2006 sei er dann auf einmal verschwunden, ohne sich auch nur zu verabschieden – oder die Miete vollständig zu zahlen, wie sie glaubt.

Abfallsack mit Perücken und "exotischen" Kleidern

"Etwa sechs Monate später wurde ich gebeten, beim Aufräumen zu helfen. Es war ekelhaft, absolut grässlich. Das Haus war getrasht worden, überall lagen zerbrochene Dinge und Computer herum", berichtete die einstige Nachbarin des Deutschen weiter.

"Wir fanden einen Abfallsack mit Perücken und exotischen Kleidern, aber ich kann nicht sagen, ob nur diese außergewöhnlichen Kleider darin waren oder noch etwas Merkwürdigeres."

Es gab bereits früher Hinweise auf den Mann

Scotland Yard arbeitet in dem Fall mittlerweile eng mit dem deutschen BKA und der portugiesischen Polizei zusammen und hat eine Belohnung von umgerechnet rund 10.000 Euro für Informationen ausgesetzt.

Wurde die seit 13 Jahren vermisste Maddie McCann von einem 43-jährigen deutschen Staatangehörigen umgebracht?
Wurde die seit 13 Jahren vermisste Maddie McCann von einem 43-jährigen deutschen Staatangehörigen umgebracht?picturedesk.com

Bereits nach einer Sendung von "Aktenzeichen XY ... ungelöst" aus dem Jahr 2013 seien Hinweise auf den verdächtigen Deutschen eingegangen, sagte Christian Hoppe vom BKA am Mittwochabend in der ZDF-Sendung. Auch nach einem Bericht zehn Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens habe es Hinweise gegeben.

Damals reichten die Informationen aber nicht für Ermittlungen oder eine Festnahme aus. Es gab demnach viele Indizien, der entscheidende Beweis fehle aber noch. Die Ermittlungen führten zu der Annahme, dass das Mädchen einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist.

Madeleines Eltern hatten sich mit teils emotionalen Aufrufen immer wieder an die Öffentlichkeit gewandt ("Heute" hat berichtet), um Informationen über den Verbleib ihrer Tochter zu erhalten. "Alles, was wir je wollten, ist, sie zu finden, die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", heißt es in einem Statement der Eltern in der Scotland-Yard-Mitteilung. "Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen." Die Eltern waren im Verlauf der Ermittlungen immer wieder unter Verdacht geraten, vor allem bei der portugiesischen Polizei, ihre Tochter umgebracht zu haben.

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