Niederösterreich

"Falsches" Gutachten bringt Psychologen fast in Anstalt

Ein Psychologe auf LSD hatte randaliert, wurde begutachtet und sollte in eine Anstalt eingewiesen werden. Aber sein Anwalt zog ein Ass aus dem Ärmel.

"Falsches" Gutachten bringt Psychologen fast in Anstalt
Anwalt Florian Höllwarth und Psychologin Karin Rossneger "boxten" den Psychologen (45) raus.
privat, Heute

"Ohne zweites Gutachten wäre mein Mandant vermutlich jahrelang in einem forensisch-therapeutischen Zentrum (Anm.: ehemals Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher) gelandet", meinte Anwalt Florian Höllwarth nach dem Prozess am Landesgericht Sankt Pölten am Mittwoch erleichtert.

Psychologe sollte in Anstalt eingewiesen werden - die Bilder:

    Der Psychologe landete nach dem Ausraster im Juli im Landeskrankenhaus Mauer. 
    Der Psychologe landete nach dem Ausraster im Juli im Landeskrankenhaus Mauer.
    LGA

    Rückblick: Ein Wirtschaftspsychologe (45) hatte Ende Juli im Keller seines Elternhauses in NÖ laut Party gemacht, sein genervter Vater rief die Polizei. Der Einsatz eskalierte, der Akademiker auf LSD stieß wüste Drohungen aus, landete schließlich im Spital Mauer und dann in Haft. Im Gefängnis St. Pölten zerlegte der 45-Jährige eine Zelle, beschimpfte einen Beamten.

    Das Gericht bestellte eine Gutachterin, die eine Einweisung des "gefährlichen" Psychologen in ein therapeutisch-forensisches Zentrum empfahl.

    Rechtsanwalt Florian Höllwarth wollte eine Einweisung indes verhindern und holte eine Privatexpertise ein: Psychiaterin und Forensikerin Karin Rossnegger teilte die erste Meinung gar nicht, also bestellte das Gericht einen weiteren Experten, der die Ansicht von Karin Rossnegger teilte. In der Zwischenzeit hatte die Erstgutachterin - ohne gerichtlichen Auftrag - ein Ergänzungsgutachten einholen wollen.

    Hätte mein Mandant das Geld für ein Privatgutachten nicht gehabt, wäre die Sache vermutlich anders ausgegangen
    Florian Höllwarth
    Anwalt des angeklagten Psychologen

    Beim Prozess am Mittwoch am Landesgericht St. Pölten wurde die Maßnahme von der Staatsanwaltschaft St. Pölten zurückgezogen. Der 45-Jährige wurde wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und anderer Delikte zu 20 Monaten teilbedingter Haft, davon fünf Monate unbedingt, verurteilt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

    Da der Psychologe seit Sommer in U-Haft war, durfte er nach Hause gehen. "Man sieht, wie knapp das ausgehen kann. Hätte mein Mandant das Geld für ein Privatgutachten nicht gehabt, wäre die Sache vermutlich anders ausgegangen", meinte Florian Höllwarth.

    Akt.
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