Oppo hat sein neues Flaggschiff mit faltbarem Display vorgestellt, das beim Thema "Falte im Bildschirm" neue Maßstäbe setzen soll. Seit Jahren ist dieses Detail einer der größten Kritikpunkte an faltbaren Smartphones: Nutzerinnen und Nutzer sehen oder spüren eine unschöne Linie genau dort, wo das Gerät aufklappt. Beim Find N6 ist dieser Knick so gut wie verschwunden, sagt der Hersteller – eine Entwicklung, die viele interessieren dürfte, die bisher zögerten, ein Falt-Handy zu kaufen.
Im Zentrum dieser technischen Neuerung steht das, was Oppo "Zero-Feel Crease" nennt. Gemeint ist damit eine innere Displayfläche, bei der die Falte beim normalen Blick und im Alltag kaum wahrnehmbar sein soll. Es heißt allerdings ausdrücklich, dass es sich um einen visuellen Effekt handelt: Die Falte sei nicht physisch komplett verschwunden, sondern so subtil, dass sie in vielen Situationen kaum ins Auge fällt. Verantwortlich ist eine neue Scharniertechnik aus einer Titanlegierung, die mit Präzisions-3D-Drucktechnologie gefertigt wird.
Diese Technik soll Unebenheiten an der Stelle, wo das Display zusammen- und aufgeklappt wird, auf ein Minimum reduzieren und damit die Grundlage dafür schaffen, dass die Displayfläche besonders gleichmäßig bleibt. In Tests sei die Höhenabweichung an der Stelle extrem gering, so die Angaben des Herstellers. Doch Oppo will nicht nur den ersten Eindruck verbessern. Damit der Effekt auch bei längerem Gebrauch erhalten bleibt, kombiniert das Gerät diese neue Scharniertechnik mit einem speziell entwickelten Glas.
Dieses sogenannte Auto-Smoothing-Flex-Glass ist laut Hersteller dicker und elastischer als viele bisher eingesetzte Materialien und soll ein "Zurückfedern" des Displays unterstützen, sodass Verformungen über Zeit weniger stark auftreten. Zertifikate von TÜV Rheinland sollen die Robustheit bestätigen: Selbst nach Hunderttausenden von Faltvorgängen soll der Bildschirm noch außerordentlich flach bleiben, heißt es. Auch eine Million Mal Falten soll das Gerät ohne erkennbare Fehlfunktionen überstehen.
Beim Blick auf die weitere Technik steht das Find N6 in der Oberklasse: Der Bildschirm misst aufgeklappt 8,12 Zoll, zugeklappt 6,62 Zoll, beide sollen sehr hell sein und gute Lesbarkeit auch bei grellem Licht bieten. Angetrieben wird das Smartphone von einem aktuellen Qualcomm-Chip der Spitzenklasse, unterstützt von 6.000-mAh-Akku und relativ hoher Leistung. Auch bei der Fototechnik legt Oppo nach: Die Hauptkamera löst mit 200 Megapixeln auf und wurde gemeinsam mit dem Kamerahersteller Hasselblad entwickelt.
Dazu kommen zwei zusätzliche Objektive mit jeweils 50 Megapixeln – eine Ausstattung, die eher in klassischen Top-Smartphones zu sehen ist als bei faltbaren Geräten. Software- und Produktivitätsteil ist bei Oppo ebenfalls Teil des Konzepts: Neben dem Falt-System unterstützt das Gerät laut Hersteller auch einen KI-gestützten Stylus, den Oppo AI Pen, mit dem sich auf dem großen Bildschirm schreiben und zeichnen lassen soll, sowie Multitasking-Funktionen mit mehreren Fenstern gleichzeitig.
Ein Punkt bleibt aber offen: Während Oppo von einem "globalen Launch" bei der Vorstellung am 17. März sprach, berichten einige Quellen, dass das Gerät vorerst nur in ausgewählten Regionen wie China, Teilen Asiens, Australien und Neuseeland erhältlich ist. In Europa oder den USA könnte es später kommen oder gar ganz ausbleiben. Entsprechend gibt es auch noch keinen Euro-Preis. Der Startpreis in Asien (China) liegt offiziell bei ¥9.999 (RMB) für die Basis‑Version mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher. Das sind umgerechnet rund 1.250 Euro.
Für viele Interessierte dürfte das neue Find N6 ein spannender Schritt in Richtung Alltagstauglichkeit von faltbaren Smartphones sein. Ob der sogenannte "Zero-Feel"-Effekt am Ende wirklich den Alltag verändert, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Einen klaren Hinweis liefert aber schon jetzt der Blick auf die Technik: Oppo will mindestens den nervigsten Teil der Falte in die Vergangenheit schicken – und damit die Seh- und Nutzererfahrung deutlich verbessern.