Es ist ein schockierender Vorfall, den Schneepflugfahrer Konrad K. gegenüber der "Tiroler Tageszeitung" schildert. Und leider handelt es sich dabei um keinen Einzelfall mehr: Aggressionen gegenüber Gemeindearbeitern werden immer häufiger.
Besagter Vorfall trug sich Dienstagfrüh in der Tiroler Gemeinde Fließ zu. Schon um kurz nach 7 Uhr war nach den zentralen Straßen ein steiler Bergweg mit dem Räumen dran, doch vor ihm blockierte ein PKW die schmale Fahrbahn. Trotz 20 Zentimetern Neuschnee war der Lenker ohne Schneeketten unterwegs.
Das Auto blieb deswegen liegen. Als ihn einer der Insassen sah, stapfte er wütend auf den Schneepflug zu und startete seine Hasstirade: "Ihr faules Pack, ihr faule Bagage, was seid ihr für mindere Hunde", so der Einheimische. Schließlich riss er sogar die Tür auf und packte den Gemeindearbeiter am Arm.
Vorzuwerfen hat sich Konrad K. aber überhaupt nichts. Ohnehin im Dauereinsatz hatte er eigentlich sogar seinen freien Tag und sprang für einen erkrankten Kollegen ein. Beschimpfungen stehen mittlerweile leider an der Tagesordnung. "Wir können den Schnee nicht fressen", rechtfertigt er sich gegenüber der TT.
Natürlich müssen sich die Fahrer an feste Runden halten, trotzdem will jeder Anrainer der erste sein, bei dem geräumt wird. Während manche direkt nach dem Aufstehen mit dem Schimpfen anfangen, sei das Team bereits drei oder vier Stunden unterwegs gewesen. Verständnis: Fehlanzeige. Obwohl der Tag meist vor vier Uhr früh beginnt, bis in den späten Nachmittag dauert und nach ein paar Stunden oft schon wieder das Handy klingelt.
"Winterdienst ist kein Honiglecken – es schneit, es ist dunkel, es sind enge Gassen und Bergstraßen. Das ist eine zache Partie", stellt sich Bürgermeister Alexander Jäger hinter sein Team. 65 Kilometer Straßen müssen alleine in der Gemeinde geräumt werden, die meisten davon mit starkem Gefälle. "Da kann ich nicht erwarten, dass das innerhalb einer Stunde geräumt ist."