Eine unfassbare Story wie aus einem Film wird am Montag am Landesgericht Graz verhandelt: Ein IT-Techniker aus Wien hatte im Jahr 2018 via Chat seine spätere Frau aus Brasilien kennengelernt. Noch Ende 2018 heiratete der 32-Jährige die Südamerikanerin, im September 2019 wurde ein Sohn geboren.
Doch das Familienglück in der Wohnung in Wien-Favoriten war nicht von langer Dauer. Bereits 2021 war das Scheidungsverfahren am Bezirksgericht Favoriten anhängig und ein hässlicher Obsorgestreit folgte. Ende Juli 2021 tauchte der Wiener mit dem Kleinen schließlich unter. Rund ein Jahr lang soll sich der Wiener laut Anklage im Ausland versteckt haben.
Und noch bevor der Mann mit dem Kind verschwand, soll er laut Anklageschrift Mitte Mai 2021 den Entschluss gefasst haben, seine Frau töten zu lassen. Übers Darknet gelangte er auf die Seite "murder-for-hire", wo angebliche Auftragsmorde von sogenannten Hitmen angeboten wurden. Der Angeklagte soll auch Adresse und ein Foto der Mutter übermittelt haben.
Der Angeklagte gab gegenüber den Kriminellen an, dass die Mutter Schreckliches getan habe und dafür sterben solle. Preis für den angeblichen Mord: 7.000 Euro oder 9.000 Euro mit Sonderwünschen. Tatsächlich soll der 32-Jährige rund 6.000 Euro in zumindest zwei Tranchen via Bitcoins gezahlt haben. Ende Juni 2021 soll der 32-Jährige laut Anklage die Ermordung via Chat endgültig in Auftrag gegeben haben: Der Killer müsse den Angeklagten aber vor der Ausführung zwecks Verschaffung eines Alibis genau informieren und es wäre auch in Ordnung, wenn das Opfer leiden müsse. Da das FBI mitlas, übermittelten die US-Behörden den Fall an die österreichischen Behörden.
Durch akribische Ermittlungsarbeiten der Polizei Favoriten, LKA, BKA und C4-Cybercrime Competence Center, konnte der Tatverdächtige jedoch ausgeforscht und verhaftet werden - mehr dazu hier. Der Bub wurde der Kinder- und Jugendwohlfahrt übergeben.
Nur: Beim angeblichen Auftragskiller handelte es sich bloß um Betrüger. In der polizeilichen Vernehmung hatte sich der 32-Jährige, der zuletzt im Elternhaus in der Steiermark gelebt hatte, geständig gezeigt. Seine Ex-Frau habe ihn schlecht behandelt und vernachlässigt. Daher habe er den Entschluss gefasst, einen Killer anzuheuern und sei dann mit dem Sohn nach Dubai und Paraguay geflohen. In Paraguay habe er gearbeitet, zuletzt in der IT-Branche.
Das Risiko, auf Betrüger reinzufallen, habe der Familienvater gekannt, es sei ihm aber egal gewesen. Nur habe er mit der Zeit schließlich gemerkt, dass er auf eine Fake-Webseite reingefallen war und daher vom ursprünglichen Ansinnen Abstand genommen. Er habe sein Geld zurückverlangt, jedoch ohne Erfolg.
Am Montag steht der 32-Jährige in Graz vor Gericht. Er wird vom renommierten Strafverteidiger Manfred Arbacher-Stöger verteidigt. "Mein Mandant hat diese Tat begangen, ist aber freiwillig zurückgetreten. Somit muss er straffrei ausgehen." Schwierig: Viele Chats und Verläufe aus dem Darknet sind mittlerweile verloren gegangen.
Im schlimmsten Fall droht dem unbescholtenen Familienvater eine lebenslange Freiheitsstrafe. Für den 32-Jährigen gilt die Unschuldsvermutung.