Karin Bergmann ist als Kulturschaffende krisenerprobt, das kommt ihr nun zugute. Die neue interimistische Leiterin der Salzburger Festspiele wurde vor wenigen Wochen als vorübergehende Nachfolgerin von Markus Hinterhäuser an der Spitze des prestigeträchtigen Festivals bekanntgegeben – offenbar zu seinem Missfallen.
Die ehemalige Burgtheater-Chefin hätte eigentlich die Schauspielleitung in Salzburg übernehmen sollen. Doch nun ist sie für zwei Saisonen für das gesamte Festival an der Salzach zuständig. Bei der Präsentation des ORF-Kultursommers in Wien verströmte die 73-Jährige bewusst Optimismus: "Nach den ersten arbeitsintensiven Wochen hatte ich jetzt großartige Tage im Rahmen der Pfingstfestspiele mit Barry Kosky und Cecilia Bartoli", erzählt sie im "Heute"-Gespräch über ihre ersten Tage vor Ort.
Bergmann versteht sich auf Krisenkommunikation und die Konzentration aufs Wesentliche. Schließlich musste sie zu ihrem Einstand auch gleich eine bittere Absage hinnehmen: Opernstar Elīna Garanča verzichtet aus persönlichen Gründen auf ihre geplante Doppelrolle in "Ariadne auf Naxos", eine der beiden großen Opern des heurigen Festspiel-Programms. Der Auftritt der Mezzosopranistin galt als eines der Highlights des Sommers.
"Wir haben eine großartige Sängerin, sie ist sozusagen Hofsängerin am schwedischen Königshof: Christina Nilsson. Sie hat an der Met und in Bayreuth gesungen. Wir freuen uns auf sie", schaut die Festspiel-Leiterin nach vorne. "Neben der sehr umfangreichen Arbeit, die nicht nur auf mich wartet, sondern schon stattfindet, habe ich mir vorgenommen, mich zu freuen und zu genießen."
Bergmann kann als erfahrene Kulturschaffende mit Gegenwind umgehen, auch, weil sie lösungsorientiert denkt. Dass sie Hinterhäusers Chefposten übernommen hat, nimmt er offensichtlich sehr persönlich, bestätigt sie. Es gibt keinerlei Kontakt mit dem ehemaligen Festspiel-Intendanten, er lehnt es schlichtweg ab.
"Das verweigert er mir bisher. Ich muss das akzeptieren, ich bedauere das sehr. Ich kann nur hoffen, dass ich vielleicht nochmal in eine andere Situation komme", sagt Bergmann offen. "Ich habe mich nicht ohne Grund monatelang mit ihm getroffen, in der Hoffnung, dass wir miteinander arbeiten." Seinen Job hatte sie nie im Sinn, betont die 73-Jährige. "Diesen Schritt habe ich erst getan, als ich gehört habe, dass er – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr an Bord ist. Ich muss damit leben, ich kann mich aber nicht damit beschäftigen."