Firma wirbt mit miesem Lohn und mieser Laune

Diese Stellenanzeige entnahmen die Leser dem Zuger Amtsblatt.
Diese Stellenanzeige entnahmen die Leser dem Zuger Amtsblatt.Bild: Leserreporter
Ein Caterer-Service aus Baar (Schweiz) rekrutiert mit ausgefallenen Methoden neue Mitarbeiter. Das Inserat kam gut an: Über 50 Bewerbungen.

"Mieser Verdienst, kein Team, schlecht gelaunter Chef… Wenn dich das alles nicht stört, bist du hier total richtig!" So begann ein Stelleninserat, das ein Catering-Service im Zuger Amtsblatt veröffentlichte. Der zukünftige Angestellte muss neben "fließendem Deutsch und einem Faible für Hygiene, lediglich noch gesunden Menschenverstand" mitbringen, so die Voraussetzungen in der Stellenanzeige.

Oft wird Bewerber der Himmel auf Erden versprochen

"Ich dachte, ich schreibe mal die Wahrheit. So wie es in dieser Branche eben ist", sagt Dieter S.*, Inhaber des Catererbetriebs, der anonym bleiben möchte zur Schweizer Plattform "20min.ch". Denn in der Gastronomiebranche gehe es oft ruppig zu, die Arbeit in der Küche müsse reibungslos ablaufen, damit der Kunde rechtzeitig sein Essen bekommt. Viele seien enttäuscht, wenn sie Stellenanzeigen lesen, in denen einem der Himmel auf Erden versprochen wird. "In der Realität sieht es dann ganz anders aus", so der Caterer. "Wer sich bei mir bewirbt, wird nicht enttäuscht sein, denn er weiß, auf was er oder sie sich einlässt."

Schlecht gelaunt: "Berufskrankheit sozusagen"

Die Absicht seiner Stellenanzeige war es, jene anzusprechen, die bereits Erfahrung haben und aus dem Gastgewerbe kommen. "Leuten, denen ich nicht alles erst erklären muss", sagt der Caterer-Chef und fügt hinzu: "Jene, die sich bei mir gemeldet haben, wussten, was ich mit der Stellenbeschreibung meinte." So ein schlechter Chef, wie es in der Anzeige steht, sei er nun aber bei weitem nicht. Normalerweise sei er ein sehr umgänglicher Chef, aber jeder, der schon mal in diesem Business gearbeitet habe, wisse, dass viele Chefs schlecht gelaunt sind. "Ich muss zugeben: Auch ich bin an manchen Tagen schlecht gelaunt. Das ist eine Berufskrankheit sozusagen", sagt der Caterer mit einem Zwinkern.

"Hallo schlecht gelaunter Chef"

Auf die zwei Anzeigen, die der Caterer-Service im Zuger Amtsblatt veröffentlicht hatte, dachte er, dass sich sechs oder sieben Personen melden würden. "Ich wollte mal was riskieren und eben ein etwas anderes Stelleninserat schreiben. Und mal ganz ehrlich: Wer will heute überhaupt noch in der Gastrobranche arbeiten?", fragt der Inhaber. Sein ehrliches Inserat hat sich ausbezahlt: Er hat über 50 Bewerbungen und etliche Anrufe erhalten. Fünf Kandidaten sind bereits in der engeren Auswahl und werden zum Probearbeiten eingeladen. "Meine Annonce muss aufgefallen sein", so der Inhaber. Er freut sich darüber, dass viele seinen Humor aufgegriffen hatten und ihre Bewerbung so begannen: "Hallo schlecht gelaunter Chef."

* Name der Redaktion bekannt.

(jas)

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