Die anhaltende Hitze setzt nicht nur den Menschen zu. Auch Österreichs Flüsse geraten zunehmend unter Druck. Laut einer aktuellen Auswertung des WWF führen viele Gewässer deutlich weniger Wasser als im langjährigen Durchschnitt und das ausgerechnet zu Beginn des Hochsommers.
Grundlage sind Daten des Umweltministeriums. Demnach lagen die Abflüsse im Juni an rund 85 Prozent der Pegelmessstellen unter dem langjährigen Monatsmittel. Bei mehr als 40 Prozent der Messstellen wurde sogar ein "sehr niedriger" Wasserstand registriert.
"Viele Flüsse haben kaum noch Reserven für die heißesten Wochen des Jahres. Jeder weitere Hitzetag verschärft daher den Stress für Fische und andere Gewässerarten", sagt WWF-Expertin Marie Pfeiffer.
Besonders stark betroffen ist der Kamp in Niederösterreich. An der Messstelle Zwettl lag der mittlere Juni-Abfluss um 83 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.
Auch an der Thaya bei Raabs und an der Leitha bei Deutsch Haslau wurden jeweils 75 Prozent weniger Wasser gemessen. Die Pinka bei Oberwart lag um 69 Prozent unter dem Durchschnitt, die Vöckla bei Vöcklabruck um 67 Prozent und die March bei Angern um 64 Prozent.
"Vor allem im Osten Österreichs ist die Lage sehr angespannt. Lokale Gewitter können einzelne Pegel kurzfristig anheben, lösen aber kein Niedrigwasserproblem, das sich über Monate aufgebaut hat. Viele Flüsse gehen stark geschwächt in den Hochsommer", sagt Pfeiffer.
Die niedrigen Wasserstände haben laut WWF direkte Folgen für die Tierwelt. Flache Gewässer erwärmen sich besonders rasch, gleichzeitig sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser.
Vor allem kälteliebende Fischarten wie Äsche, Huchen oder Bachforelle verlieren dadurch wichtige Lebensräume. In verbauten Flüssen verschärft sich die Situation zusätzlich, weil Schatten und kühlere Rückzugsorte fehlen.
Der WWF fordert deshalb ein Schutzprogramm für besonders hitzegefährdete Flüsse. Dazu gehören ausreichend Wasser in Restwasserstrecken bei Wasserkraftwerken, mehr natürliche Beschattung durch Ufergehölze, die Wiederanbindung von Nebenarmen und Auen sowie verbindliche Beschränkungen bei Wasserentnahmen während Trockenperioden.
"Die rasante Klimaveränderung erhöht den Handlungsdruck. Viele Flüsse brauchen mehr Platz, mehr Schatten und ausreichend Wasser, damit sie Wetterextreme besser überstehen. Davon profitieren nicht zuletzt auch wir alle", sagt Marie Pfeiffer.