Eine minimalinvasive Unterleibsoperation hatte für Katharina L. (50)Anfang des Jahres massive Folgen. Ihr Arzt – ein renommierter Wiener Gynäkologe – habe ihr den Eingriff in seiner Privatordination angeboten und versprochen, die OP persönlich durchzuführen, da es sein Spezialgebiet sei.
Dann wurde die 50-Jährige in einem Wiener Spital jedoch durch OP-Instrumente verletzt, ein Harnleiter irrtümlich durchtrennt und verschlossen, es kam zum Nierenstau. "Die Schmerzen strahlten vom Rücken in den ganzen Körper aus. Selbst das Liegen wurde zur Qual. Meine Niere explodierte fast und durch innere Blutungen bildete sich ein grapefruitgroßes Hämatom", erinnert sich die 50-Jährige im Gespräch mit "Heute".
„Selbst das Liegen war eine Qual, mein Leben fand einfach nicht statt“Katharina L.litt monatelang an Komplikationen
Nach dem Aufwachen hatte der Oberarzt noch beschwichtigt und gemeint, dass "bis auf zwei kleine Unfälle" alles "gut verlaufen" sei. Das Pflegepersonal habe die Schmerzen als "normal" abgetan. Erst nach zwei qualvollen Nächten wurde Frau L. genauer untersucht. Eine Folge-OP auf der Urologie eines anderen Wiener Spitals musste wegen der massiven Schwellung abgebrochen werden – stattdessen wurde ein Katheter seitlich eingesetzt, der für die nächsten drei (!) Monate blieb.
"Ich konnte nicht duschen, keine Hose tragen und litt unter Höllenschmerzen. Mein Leben fand nicht statt, ich war halbtot", klagt die Frau aus Niederösterreich. Abszesse, Infektionen und ein erneuter Nierenstau zogen die Genesung grausam in die Länge, ehe AKH-Spezialisten ihr am 5. Mai den Harnleiter erfolgreich rekonstruieren konnten.
Nun will die 50-Jährige den ersten Mediziner ("Er erkundigte sich nach der verunglückten OP nur paar Mal, ließ dann monatelang nichts mehr von sich hören") gerichtlich zur Verantwortung ziehen – auch weil ein OP-Bericht die Vermutung nahelegt, dass Teile der Operation nicht vom Vertrauensarzt persönlich durchgeführt worden sein könnten. "Ich wurde enttäuscht und verletzt", so die Betroffene.
"Wir hatten dazu eine umfassende interne Untersuchung und es gibt keine Hinweise auf ärztliches Fehlverhalten", widerspricht die Klinik den Vorwürfen vehement. Beim Eingriff habe es sich um eine "medizinisch anspruchsvolle Operation und keineswegs um einen Routineeingriff" gehandelt. Komplikationen wurden "zeitnah erkannt und entsprechend den geltenden medizinischen Standards behandelt", heißt es. Zudem sei die Patientin über das Risiko von Komplikationen aufgeklärt worden.
Nun soll zunächst die Stadt Wien zur Übernahme der Verantwortung aufgefordert werden, Zivil- und sogar Strafverfahren gegen den Arzt könnten folgen. Katharina L. will Gerechtigkeit und zeigen, "wie geringschätzig mit mir umgegangen wurde". Fehler können passieren, doch man müsse "auch dazu stehen", fordert die 50-Jährige. Für den Arzt gilt die Unschuldsvermutung.