Darum lassen sich Frauen seltener impfen als Männer

Frauen sind bei der Corona-Impfung skeptischer als Männer - laut Studie.
Frauen sind bei der Corona-Impfung skeptischer als Männer - laut Studie.Getty Images/iStockphoto
Grund für die Impfskepsis sind meist Fehlinformationen und die Angst vor Nebenwirkungen wie Thrombosen.

In Österreich lehnen 15 Prozent der über-14-Jährigen eine Corona-Impfungaus Überzeugung ab. Das zeigen Daten des Austria Corona Panel Project der Uni Wien, für das seit Mai 2020 je 1.500 Personen regelmäßig befragt werden. Diese Gruppe zum Impfen zu bewegen, sei wegen ihrer seit Beginn der Pandemie eingefahrenen Einstellungen "ganz schwierig", so Studienmitarbeiter Jakob-Moritz Eberl von der Universität Wien zur APA.

Den Frauen besondere Beachtung schenken

Will die Politik die Impfquote steigern, muss sie auf Frauen setzen, sagen Eberl und die Politikwissenschafterin Katharina T. Paul im Gespräch mit der APA. Frauen machen nämlich einen großen Teil jener Gruppe aus, die der Corona-Impfung zwar skeptisch gegenüber steht, aber potenziell noch erreichbar ist. Durch zielgerichtete Kampagnen könnte man so auch die Impfquoten bei Kindern steigern.

Frauen sind nämlich - wenn man die Gruppe der unerreichbaren Impfskeptiker beiseite lässt - deutlich zurückhaltender bei der Entscheidung für eine Corona-Impfung als Männer: Im Mai 2021 zählten beim Austrian Corona Panel Project 23 Prozent der Frauen zur Gruppe der Impfskeptiker. Unter Männern haben damals 18 Prozent die Frage, ob sie sich ehestmöglich impfen lassen werden, zumindest eher verneint. Bei der Frage, ob sie ihr Kind bei Vorliegen eines für diese Gruppe zugelassenen Impfstoffes ehestmöglich impfen lassen wollen, waren zwei Drittel der befragten Frauen ablehnend oder unentschieden, unter Männern waren es 57 Prozent.

Höhere Betroffenheit als Grund

Der Grund für die höhere Skepsis von Frauen gegenüber der Corona-Impfung laut Paul: Die höhere Betroffenheit. Sie seien eher das Ziel von Falschinformationen - etwa den früh aufgetauchten Behauptungen, dass die Covid-19-Impfung sich auf die Fruchtbarkeit auswirke - und auch tatsächlich häufiger von etwaigen Nebenwirkungen wie Thrombosen betroffen. Letztere seien medial leider deutlich stärker kommuniziert worden als die Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose bei einer Covid-Infektion deutlich größer ist als nach einer Impfung, bedauern Paul und Eberl.

Frauen waren außerdem auch schon vor Corona stärker von Impfskepsis betroffen. Als Grund vermutet Paul, dass in der Regel Frauen mit ihren Kindern zu den Vorsorgeterminen gehen und dabei Nutzen und mögliche Nebenwirkungen bzw. Risiken von Impfungen abwägen müssen. "Dieses Konfrontiertsein mit dieser Entscheidung macht etwas mit der impfkritischen Haltung."

Hausärzte als wichtiger Hebel

Um die Impfquote unter Frauen und in weiterer Folge auch unter Kindern zu steigern, sollte deshalb anstelle von reiner Information auf einen Dialog mit den Familien gesetzt werden, bei dem sich Ärzte auch wirklich Zeit für das Beantworten von Fragen etwa rund um mögliche Risiken oder Nebenwirkungen nehmen können. "Das Ernstnehmen der Sorgen kann einen großen Unterschied bewirken in Entscheidungen für eine Impfung, auch bei Covid." Vor allem in ländlichen Gebieten seien Hausärzte hier ein wichtiger Hebel.

So einfach wie möglich

Grundsätzlich müsse das Impfen den Menschen so einfach wie möglich gemacht werden, betonen Paul und Eberl. So könne man auch jenen relevanten Teil unter den Ungeimpften besser erreichen, die in niedrigqualifizierten Jobs tätig sind und etwa den Besuch einer Impfstraße schwer in ihren Arbeitsalltag eintakten können. Impfbussesind ein solches niederschwelliges Angebot. 

Hier lesen: Hier sind Wiens Impfbusse diese Woche unterwegs

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