Nach Skandal-Plan

Fünf Gegner genannt – Infantino geht es an den Kragen

Gianni Infantino sieht sich nach seinem gescheiterten Investoren-Plan mit Gegenwind konfrontiert. Nun geht es dem mächtigen FIFA-Boss an den Kragen.
Sport Heute
01.08.2026, 16:13
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Infantino wollte die Fußball-WM privatisieren, Investoren an Bord holen. Doch genau dieser heftig gescheiterte Plan könnte der Anfang vom Ende des Schweizers an der Spitze des Fußball-Weltverbands gewesen sein. Infantino plante, eine eigene Firma namens FIFA Forward Enterprise (FFE) zu gründen und darin die kommerziellen Rechte der Fußball-WMs bei Frauen und Männern, sowie der Klub-WM zu bündeln. An diesem Unternehmen hätten sich dann Investoren mit 20 Prozent beteiligen sollen, das hätte wiederum Geld in die Kassen der FIFA gespült, von zehn Milliarden Euro bis zur nächsten WM 2030 war die Rede. Geld, das die FIFA, die auf Milliarden-Reserven sitzt, eigentlich nicht braucht.

Der Aufschrei im Weltfußball ließ nicht lange auf sich warten. Allen voran vonseiten der UEFA. Denn Europas Fußballverband stellte sich geschlossen gegen den Infantino-Plan und kündigte sogar einen Boykott der FIFA-Veranstaltungen an. Auch Asiens Verband und sogar die Konföderation aus Nord- und Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF) mit den drei WM-Gastgebern USA, Kanada und Mexiko stellten sich gegen Infantino. Sein Plan ist gescheitert, hat in der bis 19. September angesetzten Abstimmung keine Mehrheit mehr. Das musste der 56-Jährige selbst eingestehen und erklärte am frühen Samstagmorgen die Kehrtwende. Sämtliche Investorenpläne sind vom Tisch.

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UEFA will Infantinos Kopf

Doch kommt Infantinos Einsicht noch rechtzeitig? Mit seinem forschen Vorstoß hat sich der einst so mächtige Mann im Weltfußballs nämlich ins Out gedribbelt. Plötzlich ist nicht nur sein milliardenschwerer Investorenplan vom Tisch, plötzlich geht es auch um seinen Job. Obwohl Infantinos Wiederwahl beim FIFA-Kongress 2027 in Marokko eigentlich nur als Formalität gegolten hatte – bis Dienstag.

"Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie. So können wir nicht weitermachen – mit geheimen Machenschaften, die im Eiltempo von gesichtslosen Individuen ausgeheckt werden und deren Nutzen für den Sport fragwürdig ist", schoss UEFA-Präsident Aleksander Ceferin besonders deutlich gegen den FIFA-Boss. Man müsse "die Verantwortlichen ausfindig machen und sie zur Rechenschaft ziehen", erklärte er.

Selbst innerhalb der FIFA bröckelte jüngst die Unterstützung. Carlos Cordeiro, der enge Infantino-Berater, früher Boss des US-Verbandes und einst auch Goldman-Sachs-Banker, hatte seinen Posten in Protest gegen Infantino zurückgelegt, der FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour, ein vor allem bei den Verbänden aus Afrika und Asien hoch angesehener Mann, hatte ebenso offen gegen Infantino geschossen und erklärt, der FIFA-Präsident hätte auch die Belegschaft des Weltverbandes "getäuscht".

Fünf Gegenkandidaten genannt

Doch wie geht es nun weiter mit Infantino? Eigentlich galt seine Wiederwahl im März 2027 ohne Gegenkandidat als ausgemachte Sache. Einfach, weil kein anderer Kandidat eine signifikante Anzahl an Verbänden hinter sich versammeln konnte. Doch nun könnte plötzlich alles anders sein. Gerade Europa arbeitet daran, Infantino zu stürzen. Womöglich mit Hilfe Asiens und des CONCACAF.

Es gibt jedenfalls nach aktuellem Stand fünf heiße Kandidaten, die als potenzielle Herausforderer für den Schweizer gehandelt werden. Von vielen wurde Nasser Al-Khelaifi ins Gespräch gebracht. Der Katarer ist vor allem als Präsident von Paris St.-Germain, Statthalter der katarischen Investoren, bekannt. Er ist aber auch gleichzeitig Chef der Europäischen Fußballklubvereinigung ECA und tat sich besonders nach der kurzzeitig ausgerufenen und ebenso rasch gescheiterten Super League 2021 als Gegner der Investorenpläne hervor. Er genießt gerade in Europa hohes Ansehen, ist kein Europäer und könnte deshalb auch andere Verbände ansprechen. Ihm wird aber nachgesagt, kein Interesse am FIFA-Amt zu haben. Gut möglich, dass UEFA-Vertreter versuchen könnten, ihn umzustimmen.

Ein weiterer möglicher Kandidat ist Scheikh Salman bin Ibrahim Al-Khalifa, der der Herrscherfamilie Bahrains entstammt. Er ist Präsident des Asiatischen Fußballverbands AFC und deshalb einer der größten Infantino-Kritiker, hatte 2016 auch in der Wahl zur Nachfolge von Sepp Blatter gegen den nunmehrigen FIFA-Präsidenten verloren.

Plötzlich im Rennen scheint auch Victor Montagliani zu sein. Der Kanadier ist CONCACAF-Präsident. Eigentlich galt der Kontinentalverband stets als Infantino-Unterstützer, doch die Konföderation positionierte sich zuletzt ebenso deutlich gegen den Schweizer.

Die spanische "Marca" brachte derweil Mattias Grafström ins Spiel. Der schwedisch-niederländische Fußballfunktionär ist eigentlich FIFA-Generalsekretär und galt stets als besonders enger Infantino-Vertrauter. Nun soll er sich aber merklich vom Schweizer entfernt haben. Er wäre jedenfalls ein Kandidat aus dem Fußball-Weltverband heraus und könnte deshalb eine Rolle spielen.

Außenseiterchancen werden Lise Klaveness gegeben. Sie ist norwegische Verbandspräsidentin und war schon in den letzten Monaten die lauteste Infantino-Kritikerin. Als mutige Reformerin und laute Stimme könnte sie es allerdings schwer haben, eine Mehrheit hinter sich zu vereinen.

Stichtag: 18. November

Fakt ist jedenfalls: Gegenkandidaten müssen sich bis zum 18. November positioniert haben. Bei der Wahl im Rahmen des FIFA-Kongresses im März 2027 in Marokko braucht es dann im ersten Wahlgang eine Zweidrittelmehrheit, ab dem zweiten Wahlgang reicht dann die absolute Mehrheit. Hier hat – wie beim Investorenplan – jeder der 211 Verbände eine Stimme. Noch während der WM hatte Infantino getönt, rund 200 Stimmen sicher zu haben. Davon dürfte er nun viele verloren haben.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 01.08.2026, 16:19, 01.08.2026, 16:13