Wer (noch) nicht in den Genuss eines erfolgreich absolvierten A-Scheins kommt, dem bleibt für flotten Fahrspaß auf zwei Rädern neben dem obligatorischen Hipster-Rennrad in Wien eigentlich nur eine nigelnagelneue 125er-Vespa.
Der absolvierte B111-Kurs dauert 6 Stunden und berechtigt auch ohne Extra-Prüfung in Österreich zum Fahren von Leichtmotorrädern bis 125 ccm
"Heute" durfte die GTS mit dem schnurrenden Einzylinder Viertakter in besonders sexy dunkelblauer Farbe (Classic Blue) vom "Faber Roller & Bike" testen – und so viel sei verraten: Es war, als hätte man den lange aus den Augen verlorenen Freund wiedergefunden, so vertraut verschmolzen Mensch und Maschine bereits nach kurzer Zeit.
Hat man den Trick mit dem Einschalten erst einmal raus – man muss den Hebel herzhaft auf "ON" drehen, kurz warten, dann beide Bremsen gleichzeitig halten und mit dem rechten Daumen den Starknopf betätigen – steht einer gediegenen Ausfahrt nichts mehr im Wege.
Das Automatikgetriebe reagiert stimmig, Autos können an Kreuzungen mühelos abgehängt werden, auch wenn nicht ganz so rasant wie bei der deutlich kräftigeren 300er –für einen (verbotenen) 70er in der 50er Zone reicht es allemal und viel mehr braucht man für eine normale Fortbewegung in und um Wien ohnehin nicht wirklich.
Mit dem Gashebel am Anschlag ging es über die Weinstraße: Die kurvenreiche Straße zwischen Mödling und Baden südlich von Wien ist sicher eine der schönsten Motorradstrecken in der Umgebung. Auf der Vespa fühlt man auf der Hügelstrecke fast wie im Toskana-Urlaub. Selbst die Steigung meistert das Moped mit seinen 14 PS mühelos – und wenn bergab der Fahrtwind das T-Shirt flattern lässt, klopft auch echten Motorrad-Männern das Herz.
Nicht umsonst gilt die Vespa als Königin unter den Rollern. Das macht sich auch beim Preis bemerkbar: 6.399 Euro muss man für dieses Spielzeug auf zwei Rädern auch erst einmal aufbringen. Dennoch ist die GTS 125 HPE ABS E5+ wahrscheinlich das einzige 125er-Moped, für das einen selbst gestandene Biker beizeiten beneiden. Denn egal, wo man hinkommt: mit ihren perfekten Rundungen zieht die Vespa alle Blicke auf sich.
Kein Scherz: Das unzerstörbare Italien-Unikat war über das gesamte Testwochenende das Objekt der Begierde auf mehreren Halteplätzen. Nicht nur einmal, sondern öfters wurde über Modell, Preis und Nutzen der Maschine debattiert.
Dabei gibt es auch Dinge, die gar nicht perfekt sind: Durch die Start-Stopp-Automatik lässt sich das Gerät nach längerer Stehzeit manchmal nicht (mehr) so starten, wie es sollte – genervt muss man sie kurz aus-, dann wieder einschalten – möglicherweise ein Bedienfehler? Dann ist das schlecht konzipiert. Zum Glück lässt sich die Start-Stopp-Automatik per Schieber ausschalten.
Eine gute Option, denn sie wurde beim Test eher als nervig empfunden. Bei ohnehin nur 2,5 Litern pro 100 Kilometern Verbrauch kann der Motor an Kreuzungen auch durchknattern. Schließlich hält sich die Geräuschbelästigung bei neuen Modellen in Grenzen. Aber: Lichtbelästigung ist ein Thema.
In der Nacht sind die LED-Frontscheinwerfer so hell, dass mehrere Autofahrer nachfragten, ob nicht das Blendlicht aktiv sei – ihr könnt es mir glauben, war es nicht!
Und: Unter den Sitz passt trotzt ausgiebig Platz wegen der fehlenden Höhe höchstens ein Jethelm – richtigen Schutz bei einem Sturz bietet nur der Integralhelm – auch wenn der meist nicht mit einer kecken Italien-Flagge bedruckt ist oder im feschen Ferrarirot daherkommt. Das sollte bei Paggio in Pontedera auch endlich einmal ankommen, auf die paar Zentimeter kommt es auch nicht mehr an. Fazit: Mit einer Vespa macht man wohl (fast) alles richtig – nur leisten muss man es sich können…