Am Freitag musste jener Arzt wieder vor Gericht erscheinen, dem vorgeworfen wird, mit selbst gemachten Infusionen aus Katzenkralle und anderen pflanzlichen Mitteln tausende Menschen behandelt zu haben. In zwei Fällen lautet der Vorwurf auf grob fahrlässige Tötung.
Bereits am Mittwoch hatte laut der "Kleinen Zeitung" ein Sachverständiger schwerwiegende Vorwürfe gegen den Mediziner erhoben. Diesmal sagten ehemalige Patienten sowie die Mutter eines an Krebs verstorbenen Mädchens (14) aus – auch sie belasteten den Angeklagten.
Alle erklärten, dass sie dem Arzt und seinen Infusionen vertraut hätten. Ein 83-jähriger Ex-Patient, der damals an Prostatakrebs litt, ließ sich jahrelang von ihm "therapieren". Für acht Infusionen mit Vitamin C und Katzenkralle-Extrakt habe er insgesamt 800 Euro bezahlt. Danach hätten der Angeklagte und ein "Alchimist", der die Extrakte herstellte, mit einem "Biotensor" gependelt und ihn für krebsfrei erklärt.
Eine spätere Untersuchung bei einem Urologen dürfte dem Mann das Leben gerettet haben. Denn dabei stellte sich heraus, dass er keineswegs geheilt war. "Ich war sehr verärgert über die Verantwortungslosigkeit", sagte der Zeuge. "Wenn ich gesagt hätte, gut, dann mach ich nichts mehr, dann wär ich schwer krank geworden."
Weniger Glück hatte ein 14-jähriges, krebskrankes Mädchen. Auch bei ihr habe der Arzt behandelt. Den ausgependelten Tumor habe er für "nicht böse" befunden, sagte die Mutter. Die Familie sei nach dieser "Diagnose" sehr erleichtert gewesen. Ein Termin für eine Biopsie wurde daraufhin nicht wahrgenommen, ein neuer nicht vereinbart. Das Mädchen verstarb schließlich an den Folgen ihrer Krebserkrankung.
Auch die Witwe eines Tätowierers, der ebenfalls Patient bei dem ehemaligen Intensivmediziner war, belastete den Angeklagten schwer. Er habe ihren Mann trotz schwerer Beschwerden einfach nach Hause geschickt. Am Ende verstarb auch ihr Gatte.
Der Angeklagte bestreitet, den 83-jährigen Zeugen für krebsfrei erklärt zu haben, und weist auch sonst alle Vorwürfe zurück. "Ich habe nur gesagt, es gibt keine Energieindifferenzen mehr", wird er von der "Kleinen" zitiert.
Weitere Zeugen berichteten von Nebenwirkungen durch die Infusionen. Sie hätten unter Hitzegefühl und Augendruck gelitten. Viele fordern jetzt ihr Geld zurück. Alle betonten, dass sie dem Angeklagten vertrauten.
"Ich bin nicht gegen Corona geimpft und hab mir gedacht, ich brauch eine Alternative", meinte eine Frau. Ihr Sohn sagte: "Ich lebe sehr gesund. Mir macht das Angst, dass ich da etwas bekomme, weil die Infusionen verunreinigt waren." Schlussendlich wurde die Verhandlung vertagt. Ein Urteil wird für nächste Woche erwartet.