Infantino will die Weltmeisterschaft privatisieren. Diese Nachricht sorgt seit Dienstag für helle Aufregung in der Fußballwelt. Konkret hatte der Präsident des Fußball-Weltverbands bereits bestätigt, die Tochterfirma Forward Enterprise (FFE) gründen zu wollen. Diese soll künftig die kommerziellen Rechte an der Fußball-WM und der Klub-WM halten. An diesem Unternehmen könnten sich Investoren dann beteiligen – 20 bis zu 30 Prozent stehen im Raum, während die FIFA selbst die Mehrheit behalten soll.
Der Fußball-Weltverband will eine rasche Entscheidung, konkret bis zum 19. September. Es braucht, neben der Zustimmung des FIFA-Councils, das vorab nicht informiert worden war, auch die Zustimmung einer einfachen Mehrheit der 211 FIFA-Mitgliedsverbände – also 106. Bei einem Ja der Mehrheit sollen sofort 20 Millionen US-Dollar (knapp 17,5 Millionen Euro) pro Verband bereitstehen. Insgesamt sei die neue Firma mit 20 Milliarden US-Dollar bewertet, es sollen im nächsten WM-Zyklus bis 2030 bis zu 8,8 Milliarden Euro lukriert werden.
"Es ist ein Vorschlag, ein Angebot, Teil eines demokratischen Beratungsprozesses", sagte der FIFA-Präsident in einem Video, das der Weltverband veröffentlichte. "Es ist eine Gelegenheit, aber keine Verpflichtung", ergänzte er. Und versuchte, sich freilich zu rechtfertigen. "Höhere Zahlungen an die Mitgliedsverbände bedeuten höhere Investitionen in bessere Fußballplätze, stärkere Nationalmannschaften und ebnen den Weg für Burschen und Mädchen überall auf der Welt. Wir kümmern uns um alle", so der Erklärungsversuch Infantinos.
Der Widerstand wird jedenfalls immer größer. Während etwa der mit 54 Mitgliedsverbänden starke afrikanische Verband den Plänen des FIFA-Präsidenten grundsätzlich etwas abgewinnen kann, äußerten sich die Konföderationen aus Nord- und Mittelamerika (CONCACAF), sowie aus Asien (AFC) bereits irritiert – vor allem über Infantinos Vorgangsweise. Die größten Kritiker kommen aber freilich aus Europa, wo die UEFA mit ihren Mitgliedsverbänden sogar einen WM-Boykott diskutiert.
Auch von Österreichs Medienminister Andreas Babler (SPÖ) ist derweil Ablehnung zu vernehmen, er kritisierte Infantinos FIFA-Pläne scharf. "Fußball gehört den Fans, nicht Investment-Fonds", erklärte Babler: "Während UEFA-Präsident Ceferin das erkannt und schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft kritisiert hat, treibt FIFA-Präsident Infantino die Debatte mit seinen aktuellen Plänen auf die Spitze." Es seien schon bei der WM-Endrunde 2026 "mit der Kommerzialisierung Grenzen überschritten" worden, meinte Babler etwa mit Blick auf die Halftime Show während des WM-Finals oder dem dynamischen Pricing.
"Aus den bedenklichen Entwicklungen in den USA müssen wir auch in Europa unsere Lehren ziehen. Der Fußball darf sich nicht immer weiter von den Fans entfernen", so der Vizekanzler und Sportminister. Und ergänzte: "Wir sind stolz darauf, dass Sport in Österreich allen offen steht. Das muss auch so bleiben."