Es sind Szenen, die fassungslos machen. Im Internet kursiert aktuell ein Video eines Augenzeuges, der Mittwochnacht gegen 3 Uhr früh den Unfall eines Polizisten in Berlin-Pankow gefilmt hatte. Der 60-jährige Beamte befand sich sichtbar in einer Notsituation, doch anstatt ihm zu helfen, hielt der Gaffer ihm das Handy beinahe direkt ins Gesicht. Dabei unterstellte er dem Hilflosen auch noch, betrunken zu sein – der Polizist verstarb wenig später.
Der Schock in der deutschen Bundeshauptstadt sitzt tief. "Dieses Video ist abscheulich, die Veröffentlichung unerträglich! Es macht mich fassungslos und wütend", reagierte Polizeipräsidentin Barbara Slowik (55) umgehend in einer Stellungnahme. Der verstorbene Kollege hatte demnach einen akuten medizinischen Notfall erlitten.
"Selbst wenn man einer Fehleinschätzung der Situation unterliegt, ist es widerwärtig, ein solches Video zu erstellen, um damit einen hilflosen Menschen – einen hilflosen Menschen in Uniform – herabzuwürdigen. Es ist widerwärtig, dass der Wert der Followerzahl und die vermeintliche Möglichkeit, die Polizei Berlin in den Schmutz zu ziehen, offenbar wichtiger war, als die Würde unseres Kollegen, eines Menschen, zu respektieren", donnert die Polizeichefin. Ihre Gedanken seien jetzt bei den Angehörigen, denen sie "auf diesem Weg viel Kraft und Halt sende".
Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagierte entsetzt: "Dass derartige Aufnahmen aus der reinen Gier nach Klicks und Aufmerksamkeit auf Social Media verbreitet werden, zeigt einen mittlerweile stark verbreiteten digitalen Narzissmus, der strafrelevante Folgen haben muss", forderte Sprecher Benjamin Jendro im Gespräch mit "Bild".
Die Ermittlungen zu dem erschütternden Video laufen bereits, für den Gaffer könnte es Konsequenzen geben. "Ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung wird bereits geprüft", meldet die Exekutive via Twitter. Wie der "Tagesspiegel" weiter berichtet, hat auch der Beschuldigte reagiert und das Video mittlerweile von seinem Instagram-Profil gelöscht. Zudem bat er um Entschuldigung.