"Gastro-Öffnung ist ein Himmelfahrtskommando"

Seit November hat das "Café Mitte" am Grazer Freiheitsplatz geschlossen, bietet Lieferdienste und Take-Away.
Seit November hat das "Café Mitte" am Grazer Freiheitsplatz geschlossen, bietet Lieferdienste und Take-Away.Café Mitte
Geht es nach der Bundesregierung, sollen Gastronomen im März wieder ihre Schanigärten für Gäste öffnen dürfen. Dennoch hagelt es Kritik.

Im Zuge des Gastro-Gipfels am Montag hat die österreichische Bundesregierung weitere, kleine Öffnungsschritte beschlossen. Ab Ende März dürfen demnach die Schanigärten wieder Gäste in Empfang nehmen. "Am Papier sehen diese Lockerungen ja sicherlich gut aus, nicht aber in der Realität", wütet Rene Koch, Betreiber des "Café Mitte" in Graz.

"Öffnen in zwei Wochen? Allein Schanigarten-Bewilligung braucht sechs!"

"Es handelt sich dabei um eine wirtschaftliche Alibilösung. Wir Gastronomen leben im März und April nicht vom Gastgartengeschäft, dafür ist die Wetterlage in diesen Monaten viel zu instabil", ärgert sich der Gastronom. Seit November hat er sein Lokal am Grazer Freiheitsplatz geschlossen, lebt vom Lieferdienst- und Take-Away-Geschäft - "dass sich das wirtschaftlich nicht ausgeht, ist kein Geheimnis". 

"Wirtschaftlich idiotisch, behördlich spannend" - Gastronom Rene Koch ("Café Mitte") zu Öffnungsplänen der Regierung

"Es ist überstürzt, zu glauben, wir könnten binnen zwei Wochen das Lokal öffnen. Abgesehen von den Mitarbeitern, die derzeit größtenteils in Kurzarbeit sind oder angemeldet werden müssen, braucht es in Graz alleine sechs Wochen, um eine Bewilligung für einen Gastgarten zu bekommen", rechnet Koch vor.

Dabei sei es unbedeutend, ob man bereits schon früher einmal einen Gastgarten hatte oder nicht. Das heißt im Klartext: Wer am 1. März um eine Genehmigung ansucht, bekommt diese frühestens Mitte April. "Und keiner sucht in dieser unsicheren Situation auf Verdacht um einen Gastgarten an, denn ab dem Moment der Bewilligung muss man dafür ja auch zahlen". 

"Soll ich die Gäste bei Schlechtwetter heimschicken?"

Eine verlässliche Perspektive oder Planungssicherheit vermisst der Kaffeehausbesitzer bei den Öffnungsplänen der Bundesregierung. "Ich kann doch meine Lieferanten und Mitarbeiter nicht auf Verdacht, dass das Wetter passt und das Lokal voll ist, einteilen", so Koch. Am Papier würden diese Lockerungen sicherlich gut aussehen, in der Realität sei die geplante Gastro-Öffnung in dieser Form eher ein "Himmelfahrtskommando", so Koch. 

"Was ist mit der Sperrstunde oder was ist bei Schlechtwetter? Soll ich dann alle Gäste heimschicken, das Lokal sperren und das Essen wegschmeißen?", fragt Koch, der mit der weiteren Öffnung seines "Café Mitte" noch bis zum 15. März abwarten möchte. Erst mit den Erfahrungen aus dem Vorarlberger Lock-up möchte er entscheiden, ob auch er nachzieht - "oder ob wir dann womöglich wieder alle in den nächsten Lockdown gehen".

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