Hinter dem harmlos klingenden Begriff "The Com" oder "COM." steckt weit mehr, als man zuerst glaubt. Abgeleitet von Community, verbergen sich dahinter Gruppen, die andere Jugendliche im Internet zu Straftaten oder sogar Selbstverletzungen zwingen. In Deutschland steht derzeit ein Jugendlicher vor Gericht, weil er online einen 13-Jährigen dazu gebracht hat, sich das Leben zu nehmen. Wie orf.at berichtet, ist das kein Einzelfall.
Jugendliche werden vor laufender Kamera massiv unter Druck gesetzt. Petra Huber-Lintner, Leiterin der Abteilung allgemeine Kriminalität im Bundeskriminalamt, erklärt: "Also sehr oft ist es so, dass die Täter verlangen, dass sich das Kind vor laufender Kamera, also vor der Webcam, selbst verletzt. Das Kind kann auch aufgefordert werden, zum Beispiel das Haustier vor laufender Kamera zu quälen oder aber Straftaten zu begehen, wie zum Beispiel seine eigenen Geschwister zu misshandeln oder dritte Personen anzugreifen."
Das Bundeskriminalamt hat zu diesem Thema Info-Material bereitgestellt und eine eigene Arbeitsgruppe gegründet. Auch die Polizei in der Steiermark musste in solchen Fällen bereits ermitteln. Das große Problem: Die Täter sitzen irgendwo im Netz, sind schwer zu fassen und fordern von ihren Opfern Beweise. Huber-Lintner warnt: "In dem Moment, wo man merkt, dass das Kind selbstverletzendes Verhalten zeigt, dann ist es auf jeden Fall Alarmstufe rot."
Besonders schlimm ist, dass oft jugendliche Täter Gleichaltrige oder sogar Jüngere in scheinbar harmlosen Online-Umgebungen wie den Chatfunktionen von Computerspielen – etwa Minecraft oder Roblox – bearbeiten und unter Druck setzen.
Was kannst du als Elternteil tun? Die Psychologin Carine Anderle rät, möglichst früh eine Vertrauensbasis zu schaffen: "Wichtig für die Eltern, sich zu interessieren, für die Inhalte, mit denen die Kinder da konfrontiert sind, mit ihnen darüber sprechen, eher neugierig und wenig verurteilend. Da ist ganz wichtig, dass die Kinder oder die Jugendlichen dann nicht die Angst bekommen, wenn ich jetzt irgendwas erzähle, wird mir vielleicht das Handy weggenommen oder ich darf nicht mehr ins Internet." Nur so kannst du offen mit deinem Kind besprechen, welche Kontakte aus der Chatliste entfernt werden sollten.