Es war einer der emotionalsten Momente der Oscars 2022 – und für Liza Minnelli zugleich einer der schmerzhaftesten. In ihren neuen Memoiren "Kids, Wait Till You Hear This!" ("Kinder, wartet, bis ihr das hört!") erhebt die Entertainment-Legende schwere Vorwürfe rund um ihren Auftritt mit Lady Gaga. Im Zentrum steht eine Entscheidung, die Millionen Zuschauer schockierte: Minnelli wurde im Rollstuhl auf die Bühne geschoben.
Wie sie nun schreibt, war dieser Auftritt keineswegs freiwillig. Ursprünglich habe sie von den Oscar-Verantwortlichen einen Regiestuhl verlangt, um ihre Rückenprobleme zu berücksichtigen und nicht humpelnd auftreten zu müssen. Doch kurz vor dem Auftritt sei alles anders gekommen.
"Man hat mir unerklärlicherweise befohlen, in einem Rollstuhl zu sitzen", so Minnelli. Als Begründung habe man ihr Alter und angebliche Sicherheitsbedenken genannt. Sie könne aus dem Stuhl rutschen: "Was Bullshit war", schreibt sie unmissverständlich.
Die Alternative sei brutal gewesen: entweder Rollstuhl oder gar kein Auftritt. Minnelli beschreibt, sie sei "am Boden zerstört" gewesen. Hinzu kam die praktische Demütigung: Durch die niedrigere Sitzposition habe sie den Teleprompter kaum lesen können.
"Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie gegen Ihren Willen hinausgerollt würden, um vor einem Live-Publikum aufzutreten und nicht klar sehen können?", fragt sie ihre Leser.
Besonders bitter: Lady Gaga, die Minnelli stets als Bewunderin und Idol bezeichnet hatte, wird in dem Buch ebenfalls kritisch erwähnt. Als Minnelli bei der Verkündung ins Stocken geriet, habe Gaga sofort eingegriffen und sich öffentlich als Retterin inszeniert.
",Ich bin für dich da‘, sagte sie und beugte sich zu mir herunter", schreibt Minnelli. Ein Moment, der nach außen herzlich wirkte, für sie aber wie eine weitere Bloßstellung vor laufenden Kameras empfunden wurde.
Was als ehrender Oscar-Moment gedacht war, bleibt für Liza Minnelli bis heute eine Erinnerung an Kontrollverlust, Bevormundung und eine Rollstuhl-Aktion, die sie nie wollte.