Gemeinde bekämpft Rechtsextreme mit Regenbogen

Vor dem Vereinslokal prangen nun Banner und bunter Zebrastreifen
Vor dem Vereinslokal prangen nun Banner und bunter ZebrastreifenStadtgemeinde Steyregg (Facebook)
Ein Haus lässt die Wogen hochgehen. Aus Protest vor einem Vereinszentrum bemalte die Gemeinde Steyregg den Schutzweg in Regenbogenfarben.

Ein Hauskauf im vergangenen Jahr blieb weitestgehend unbemerkt. Schließlich schaltete sich heuer sogar Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) ein. Die Käufer "sind weiterhin nicht Willkommen in unserem Land." Auch der Verfassungsschutz beobachte die Situation.

Diese ist nun um eine Facette reicher. Obwohl eigentlich von Anfang an klar hätte sein sollen, wer sich hier niederlässt. Denn nicht ein Strohmann, sondern ein junger Ostdeutscher, der seit längerem in Oberösterreich lebt, für die Identitären aktiv ist und bereits ein ähnliches Projekt in Linz umsetzen wollte, soll die renovierungsbedürftige Immobilie gekauft haben. Rund 100.000 Euro wurden hineingesteckt, nach und nach wurde auch der Gemeinde klar, wer hinter dem Projekt steckt.

Extremisten-Treff?

Man sah einen "Extremisten-Treff" der Identitären Bewegung. Deren Erkennungssymbol wurde erst vor wenigen Wochen verboten. Zum negativen Erscheinungsbild trug auch die schwere Verbarrikadierung der Fassade mit Eisenstangen dabei.

Die rechten Aktivisten selbst planen dort einen Mix aus Bierlokal, Shop, Büro und Jugendzentrum. Gegen die dahinterstehende Gesinnung wehrt sich die Gemeinde vehement. Tatsächlich auch dagegen vorgehen könne aber auch der Ex-Grüne Bürgermeister Johann Würzburger von der Steyregger Bürgerinitiative für Umwelt und Stadtleben nicht. Lediglich den Biergarten könne er verbieten.

Man setzt deswegen nun auf passiven Widerstand. Am Donnerstag postete die Stadtgemeinde Bilder vom frisch umgestalteten Vorplatz des renovierten Hauses, untermauert mit einer "Botschaft an die Identitären": "Steyregg bleibt bunt". Der Schutzweg im Stadtzentrum, unmittelbar vor dem Vereinslokal, trägt nun Regenbogenfarben.

"Durchaus beabsichtigt kontrastiert diese Botschaft auch die exzessive Vergitterung des direkt vor dem Schutzweg liegenden Gebäudes der Identitären Bewegung, die doch eher auf Abschottung, Absonderung und Einigelung hinweist“, erläutert Bürgermeister Würzburger. "Mit darüber angebrachten Bannern 'Steyregg ist bunt' wird diese Botschaft der Vielfalt selbst für die Volksschulkinder begreifbar", heißt es weiter im Posting.

Feuerwehr distanziert sich, Projekt dankt

Genau jenes Banner sorgt hingegen auch innerhalb der Gemeinde für Unmut. Die Feuerwehr Steyregg distanzierte sich prompt via Facebook-Kommentar: "Die Feuerwehr Steyregg stellt an dieser Stelle in Kürze und mit Nachdruck klar, dass diese/s 'Aktion/Statement' im nicht im Zusammenhang mit dem Plakat für den Frühschoppen steht und auch mit der Feuerwehr Steyregg nicht abgesprochen war!"

"Aus Sicht der Feuerwehr Steyregg ist der Kontext mit unserem Plakat somit nicht OK und wir distanzieren uns hiermit in alle Richtungen von Provokationen und politischen Statemants!"

Das rechte Projekt selbst bedankt sich bei der Gemeinde für die "Spende", weil am Schutzweg die Fantasie von strikt getrennten Farben Realität wurde.

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